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Der Betrug mit den gekauften Followern

Wer hätte es nicht gerne: Tausende Follower auf seinen diversen Social Media-Kanälen. Was bei anderen immer so toll aussieht, hält aber oft nicht, was es verspricht. Denn bei genauerem Hinsehen erkennt man meist, dass es sich bei den angeblichen „Fans“ in vielen Fällen lediglich um gekaufte Follower handelt.

Ganz gleich ob auf Facebook, YouTube oder Dauerbrenner Instagram: Die Zahl der Profile, beziehungsweise Seiten, mit zig Tausenden an Abonnenten ist enorm. Auf den ersten Blick könnte man da schon ab und an vor Neid erblassen. Schnell drängt sich die Frage auf: „Was mache ich falsch?“. Die Antwort in den meisten Fällen ist banal. Nämlich: „Nichts“.

Denn schaut man sich die Profile und Seiten genauer an, merkt man meist, dass die Zahl der Abonnenten so ganz und gar nicht mit der Zahl der Likes und Herzchen bei den Beiträgen zusammenpassen will. Viele Seiteninhaber punkten lediglich mit einer großen Anzahl an gekauften Followern.

„Mehr Schein als Sein“ ist die traurige Wahrheit, die hinter so manch „großartigem“ Account steckt. Auch wenn es nach wie vor als „Kavaliersdelikt“ gilt, und es oftmals als „Schummeln“ abgetan wird: Im Prinzip handelt es sich beim Kauf von Followern schlichtweg um Betrug. Vor allem, wenn man mit seiner vermeintlich großartigen Reichweite diverse Kooperationen eingehen möchte oder versucht, wenigstens das eine oder andere Gratis-Produkt „abzustauben“.

Blenden mit gekauften Followern

Besonders auf Instagram sieht man sie oft: Seiten, beziehungsweise Profile, die mit zig Tausenden Followern glänzen. Betrachtet man jedoch die Anzahl der Herzchen untern den einzelnen Beiträgen, verblasst der Glanz meist rasch. Denn wenn jemand mit derart vielen Fans lediglich auf Plus/Minus hundert Likes pro Beitrag kommt, stimmt da meist etwas nicht. Sprich, das vermeintliche Erfolgsprofil arbeitet meist mit unlauteren Mitteln.

Und dies, obwohl mittlerweile auch Interaktionen leicht zu kaufen sind. Aber diesen zweiten, eigentlich logisch erscheinenden Schritt, gehen dann eigenartiger Weise nicht mehr so viele. Eventuell auch, weil diverse „Engagement Bots“ zwar wirksam sind, aber an reale Interaktionen doch nicht herankommen und mittlerweile auch von Instagram ganz gut erkannt werden.

Das bequeme, weil nicht überprüfbare Argument „Ich arbeite nur mit Stories“ gilt übrigens auch nicht. Jeder, der sich regelmäßig im Social Media-Bereich bewegt, wird wissen, dass beliebte Seiten auch bei im Feed geposteten Beiträgen eine hohe Interaktionsrate erzielen. Und nicht nur – vermeintlich, weil nicht öffentlich einsehbar – eine angeblich hohe Zuseher-Rate bei den Stories aufweist.

Gängige Praxis: Kauf von Followern

Der Kauf von Followern ist leider gängige Praxis. Viele nutzen diese Möglichkeit, um so das eigene Image rasch aufzupolieren. Das Traurige daran: Zum großen Teil gelingt diese Betrugs-Strategie. Denn nach wie vor machen sich die wenigsten potentiellen Kunden oder Kooperationspartner die Mühe, die Anzahl der imposant klingenden Fans zu hinterfragen. Manche verfügen aber auch nicht über das nötige Wissen im Social Media-Bereich.

[Facebook-Einsteiger finden übrigens hilfreiche Infos in den Beiträgen „Facebook Unternehmensseite – Tipps zum Erstellen und zur Reichweite“ oder „Die zehn verbreitetsten Facebook-Fehler von privaten Nutzern“.]

Warum man nicht auf gekaufte Follower setzen sollte

Zugegeben, es klingt verlockend. Bekommt man mittlerweile doch Follower rasch und günstig zu kaufen. So bezahlt man etwa für rund 1000 Instagram Follower lediglich ein paar Euro. Zu finden sind diese Verkaufs-Portale ganz leicht. Einfach „Follower kaufen“ bei Google eingeben und man steht vor der Qual der Wahl. Zig dieser „Follower-Farmen“ bieten ihre Dienste um wirklich wenig Geld an.

Bot-Follower versus Fake-Profile

Kaufen kann man Follower sowohl als Bots als auch als Fake-Profile. Bei den Bot-Followern handelt es sich um Programme, die beinahe wie echte Profile agieren. So werden mit dem eigenen Profil-Namen brav Herzchen verteilt oder kurze, nette Kommentare verfasst. Und zwar so lange, bis der derart „umworbene“ und reale Account einem folgt, um daraufhin selbst wieder zu entfolgen.

Aber Hand aufs Herz: Follower zu kaufen ist nicht nur Betrug sondern auch schlichtweg peinlich. Denn jeder, der sich ein wenig auskennt, wird einen rasch entlarven.

Zudem gehen Instagram und Co vermehrt gegen diese Fakes vor. Instagram straft entdeckte Profile, die sich diesen Techniken bedienen, mittlerweile gnadenlos mit der Sperre des Accounts ab. Und dies ohne Vorwarnung. Da gab es schon das eine oder andere böse Erwachen, als der mühsam „erkaufte“ Account über Nacht plötzlich gesperrt war.

Drei Möglichkeiten, gekaufte Follower zu erkennen

Aber was tun, steht man vor der Herausforderung, eine Kooperation mit gewissen Influencern eingehen zu wollen? Die drei gängigsten Methoden, diverse Profile kurz zu überprüfen sind:

1.) Interaktionsrate bei Beiträgen checken

Wie bereits beschrieben: Für einen ersten Blick lohnt es sich meist die Interaktionsrate zu betrachten.

Bei Videos auf Instagram kommt es aber auch vor, dass manch Video mehr Likes als Aufrufe verzeichnet. Ein guter Hinweis, dass hier ein Programm am Werk war. Denn dieses, auf bestimmte Hastags eingestellt, nimmt sich sozusagen nicht die Zeit, dass es die nötigen 30 Sekunden für die Aufrufzählung nimmt.

2.) Follower unter die Lupe nehmen

Genauer hinsehen kann man, indem man sich die Mühe macht, stichprobenartig die Follower des jeweiligen Profils zu überprüfen. Tauchen hier vermehrt Profile aus Russland, China, Indien und Co auf, beziehungsweise Profile, die unverhältnismäßig vielen Profilen folgen, während sie selbst kaum Follower haben, ist dies ein guter Hinweis, dass Fake-Follower gekauft wurden.

Die Herkunft der Follower alleine ist mittlerweile allerdings kein eindeutiger Beweis mehr. Mittlerweile kann man Abonnenten nämlich auch länderspezifisch erwerben.

Übrigens: Experten gehen davon aus, dass mittlerweile jedes 10. Profil auf Instagram ein Fakeprofil ist!

3.) Gekaufte Follower mit Hilfe von Socialblade und Co erkennen

Via Socialblade lässt sich einfach und gratis jeder beliebige Account rasch überprüfen. Einfach den zu überprüfenden Profilnamen in das Feld eintragen und fertig!
Via der Seite Socialblade lässt sich einfach und gratis jeder beliebige Account rasch überprüfen. Einfach den zu überprüfenden Profilnamen in das Feld eintragen und fertig!

Will man es bequem wissen, lohnt ein Blick auf die Internetseiten diverser „Fake-Aufdecker-Seiten“. Hier kann man unter anderem ganz leicht das Wachstum diverser Profile auf sämtlichen Social Media-Kanälen beobachten.

Kommt es im Laufe der Zeit zu unnatürlichem Anstieg und Rückgang von Abonnenten – oft auch in mehreren Etappen –  lässt dies sehr gut auf den Kauf von Followern schließen. Denn organisch gewachsene Profile weisen meist einen kontinuierlichen, flachen Anstieg auf.

Via Socialblade lässt sich die Veränderung der Follower-Anzahl ganz einfach abrufen. Etwaig gekaufte Follower sind hier gut ersichtlich.
Via Socialblade lässt sich die Veränderung der Follower-Anzahl ganz einfach abrufen. Etwaig gekaufte Follower sind hier gut ersichtlich.

Aber Achtung: Es kann selbstverständlich auch bei ehrlich geführten Accounts zu „Ausreißern“ kommen. Mögliche Ursachen wären etwa ein gegebenes Interview mit großer Reichweite. Wie etwa im Fernsehen oder einem beliebten Print-Medium, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Das unnatürlich anmutende, plötzliche Sinken der Abonnentenzahl ist oft ein Hinweis, dass Instagram wieder eine größere Fake Account-Aufräumaktion durchgeführt hat.

Auf die Verwendung von Bots weist die unnatürliche Schwankung der Anzahl der abonnierten Profile hin. Accounts folgen zahlreichen Usern in der Hoffnung, dass jemand zurück folgt um daraufhin selbst wieder zu entfolgen.

Auch die wechselnde Anzahl der abonnierten Profile lässt sich via Socialblade für jeden Account einfach einsehen.
Auch die wechselnde Anzahl der abonnierten Profile lässt sich via Socialblade für jeden Account einfach einsehen.

All diese Schwankungen zeigt zum Beispiel socialblade.com hervorragend auf. Die Anwendung ist gratis nutzbar.

Hier lässt sich übrigens auch die Engagement Rate hervorragend auf einen Blick ablesen – eine hervorragende Messzahl, um die Nachhaltigkeit eines etwaigen Kooperationspartners zu überprüfen.

Gekaufte Follower verfälschen das Ranking

Ärgerlich wird es auch, wenn die Anzahl der Follower für diverse Rankings und Bewertungen von Seiten herangezogen wird. Da hat man als „ehrlicher Profilinhaber“ dann meist keine Chancen. Selbstverständlich gibt es Ausnahmen. Viele Influencer und Seiten halten natürlich, was die Anzahl der Fans verspricht.

Instagram sollte die Anzahl der Follower statt der Likes verbergen

Die geplante Änderung von Instagram, künftig keine Anzahl der Likes unter den Beiträgen mehr zu zeigen, wird die Situation weiter verschlimmern. Denn so lässt es sich unter dem Betrugs-Deckmäntelchen eigentlich noch leichter agieren. Checken doch nach wie vor die wenigsten Kooperationspartner, wieviele der Follower echte und wieviele gekaufte sind.

8 Kommentare

  1. Danke für den Beitrag. Es macht mich wirklich traurig, dass ich seit Jahren unter 10 K rumkrebse und ich sehe, dass andere mit ganz schlimmen Fotos ruckzuck bei 50 K sind. Angesichts dieser Tatsache kann man dann auch mal in Versuchung kommen, zumal die Firmen da wirklich oft nur auf die Followerzahl schauen. Ich habe aber letztens sogar ca. 100 Follower bei mir entfernt, die entweder kein Profilbild oder einen komischen Namen mit vielen Zahlen dahinter hatten.
    Liebe Grüße
    Anja von Castlemaker.de

  2. Ein wirklich wunderbarer und sehr interessanter Beitrag. Es macht mich immer wieder traurig, wenn ich sehe, wie durch „mauschelein“ Plattformen zerstören, die eigentlich mal richtig viel Spaß gemacht haben.
    Schade ist aber auch, dass viele Firmen und Agenturen nicht genau hinschauen, sondern sich von oberflächlichen Zahlen blenden lassen.

    Liebe Grüße, Katja

  3. Huhu,

    ich mag es gar nicht, wenn man die Follower „kauft“. Vor allem, dass fällt ja auch total auf, weil die User überhaupt nicht aktiv sind … Und für Partner ist das sicherlich auch ein negativer Punkt, wenn es denn auffallen würde …

    Ich finde deinen Beitrag extrem interessant und spannend, da du auch so offen darüber erzählst.

    LG
    Steffi

  4. Ja das ist leider so. Ich kämpfe mich durch das ich endlich 1000 Folower auf Insta erreiche. Wo andere täglich immer mehr bekommen – warum weiß man ja. 🙁 Aber da habe ich lieber weniger dafür echte. Liebe Grüße Claudia

  5. Das ist ein heikles wie schwieriges Thema. Du sagst quasi, dass jede Seite mit hoher Followerzahl, aber niedriger Interaktionsrate gekaufte Follower hat. Nehmen wir mal mich selbst als Beispiel. Ich habe mir meine fast 10.000 Follower wirklich hart erarbeitet, bin seit 2018 täglich online und aktiv. Habe aber auch im Vergleich eine echt miese Interaktionsrate auf normale Beiträge. Habe ich Follower gekauft? Nein. Ich weiß aber auch nicht, woran genau das liegt. Ich selber knabbere an diesem Thema und finde es ziemlich frustrierend. Und dann lese ich, was man über Leute wie mich offenbar denkt … Macht mich traurig.

    1. Nein, ich sage, dass die Gefahr sehr hoch ist, dass es sich dann um ein Profil mit gekauften Followern handelt. Zudem hast Du ja Deine hohe Followeranzahl bei Facebook – ich habe extra nachgesehen – und nicht bei Instagram. Bei Facebook ist eine eher geringe Interaktionsrate normal. Wobei sich Deine ja wirklich sehen lassen kann!
      Tut mir leid, wenn Du Dich durch den Beitrag vor den Kopf gestoßen fühlst. Und wie gesagt: Zwischen Facebook und Instagram liegen mittlerweile Welten…

  6. Oh, wie ich dieses Follow-Unfollow-Spiel hasse! Zum Glück gibt es mittlerweile Apps, die einem die ganzen Unfollower anzeigen. Aber ich folge ohnehin nur noch selten zurück. Und wenn muss das Profil a) wirklich ansprechend sein und für mich interessante Bilder zeigen, b) das Follower-Folgen-Verhältnis muss relativ ausgeglichen sein (20.000 Follower und selbst nur 150 Accounts folgen? Ne, mein Herz bekommst du nicht!) undc) muss erst mal eine ganze Zeit ins Land gegangen sein, ohne dass wieder entfolgt wurde. Die Idee mit Follower verbergen finde ich übrigens mega, schreib das doch mal dem Support, wieso sind die da noch nicht drauf gekommen??

  7. Ich sehe es wie Tanja, mich muss ein Profil ansprechen, ich muss mich für die Bilder dort interessieren, sonst folge ich nicht. Immerhin kann ich auch nur durch meine Fotos überzeugen! Wer sie nicht mag, folgt mir ja auch nicht und das ist dann auch gut so! Lieber ehrliches Interesse, als gar keins 🙂

    Liebe Grüße
    Jana

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