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Hermann Pascha im Interview

Es war still geworden um den einst so umtriebigen Hermann Pascha. Nun meldet er sich retour: Dem „Die gute Laune“-Blogazin hat er in Salzburg sein erstes Interview nach langer Zeit gegeben. Erzählt, wie es ihm gesundheitlich geht und ob und wo man ihn wieder am Pokertisch sehen kann.

Von Hermann Pascha ist man Vieles gewohnt. Immer für einen Spruch gut und durch diverse Aktionen im Rampenlicht stehend, schien einem bei ihm nichts mehr überraschen zu können. Auch in zahlreichen Poker-Sendungen, Interviews oder TV-Sendungen machte der „Bordell-König“, wie er von den Medien gerne genannt wird, regelmäßig von sich reden. Damit, dass man einmal nichts mehr von ihm hören könnte, hat wohl niemand gerechnet.

Nach seiner beinahe zweijährigen, erzwungenen „Auszeit“ in der Justizanstalt Augsburg zog er sich auch nach seiner Entlassung völlig aus der Öffentlichkeit zurück. Über die Gründe hierfür, seinen derzeitigen Gesundheitszustand und seine Pläne für die Zukunft hat er mit dem Die gute Laune-Online-Magazin gesprochen.

Hermann, das Wichtigste vorweg: Wie geht es Dir gesundheitlich?

Hermann Pascha: Jetzt wieder gut, danke! Beziehungsweise weiß ich gar nicht mehr, wann es mir gesundheitlich jemals so gut gegangen ist. Ich habe zehn Kilo abgenommen, bin – für meine Begriffe – top fit, fühle mich richtig wohl und habe wieder richtig Freude am Leben.

Es ging Dir ja richtig schlecht, wie hast Du es geschafft, dich so gut zu erholen? 

Hermann Pascha: So dumm wie es klingt, aber diese langen Monate in Untersuchungshaft haben mir im Endeffekt das Leben gerettet. Ich war bereits vor der leidigen Geschichte durch den jahrelangen Dauerstress gesundheitlich so angeschlagen, dass ich mit Sicherheit ein Herzinfarkt-Kandidat war.

„Das Gefängnis hat mir das Leben gerettet.“
Hermann Pascha

Golfen, pokern, jede Nacht im Geschäft bis mindestens 4 oder 5 Uhr – ich war permanent im Einsatz und dementsprechend übernächtigt. Litt damals auch an schweren Sekundenschlaf-Attacken, wodurch ich nicht einmal mehr selbst mit dem Auto fahren konnte und immer einen Chauffeur brauchte. Hinzu kamen noch Durchblutungsstörungen in den Beinen. Aber ich hätte bis zum buchstäblichen Umfallen so weitergemacht.

Die Durchblutungsstörungen haben sich im Gefängnis, unter anderem durch die mangelnde Bewegung, noch verstärkt, sodass es eine Zeit lang wirklich alles andere als gut für mich aussah. Ich hatte ständig Schmerzen. Konnte dann kaum mehr liegen, geschweige denn gehen, saß sogar im Rollstuhl. Das einzige, was am ehesten auszuhalten war, war sitzen in einer gewissen Position.

Aber abgesehen davon hatte ich, nach Jahrzehnten Dauerstress, erstmals längere Zeit Ruhe in meinem Leben. Da beginnt man automatisch, gewisse Dinge mit anderen Augen zu betrachten. So konnte ich auch innerlich von meiner bisherigen Tätigkeit etwas Abstand gewinnen. Setzte mich und meine Gesundheit erstmalig wieder vor das Geschäft.

Was mich soweit voranbrachte, dass ich mich nach meiner Entlassung tatsächlich von mehreren Fachärzten eingehend untersuchen ließ. Und eine niederschmetternde Diagnose bekam. Ja, da musste ich akzeptieren, dass es bei mir nicht mehr fünf vor zwölf, sondern eindeutig zehn nach zwölf war. Und zwar in mehreren Bereichen. Seien es meine Durchblutungsstörungen, das Herz, die Lunge, das Knie, der Rücken … Ich schien eine einzige Baustelle zu sein und sollte mehrfach operiert werden.

Bevor ich mich aber tatsächlich unter das Messer gelegt habe, habe ich nachgegeben und noch einen Rat befolgt. Den besten, den ich je bekam, wie sich herausstellen sollte. Ich möge doch vorher noch einen Heilpraktiker aufsuchen, bevor ich den Krankenhaus-Marathon starte. Das habe ich tatsächlich gemacht, auch wenn mehr oder weniger aus dem Grund, dass ich meine Ruhe haben wollte, weniger, weil ich daran geglaubt habe.

Ja, aber er war es, der es geschafft hat, mich wirklich zum Umdenken zu bringen. Er hat mir natürlich auch nichts Anderes gesagt, als die Ärzte davor, aber irgendwie ist es ihm gelungen, mir endgültig die Augen zu öffnen. Mir klar zu machen, dass die besten Operationen nichts bringen, wenn ich danach so weitermache wie bisher. Ich mein Leben tatsächlich total umstellen muss und es selbst mit ein paar Operationen einfach nicht getan ist. Und das habe ich dann durchgezogen.

Inwiefern hast Du Dein Leben umgestellt?

Hermann Pascha: Allem voran, indem ich meine Ernährung völlig geändert habe. Ich habe streng nach Diät gelebt. Zudem bekam ich von dem Heilpraktiker noch ordentlich Bewegung und diverse Nahrungsergänzungsmittel verordnet. Und das habe ich dann befolgt. Ein ganzes Jahr ist es jetzt bereits, dass ich so lebe.

Einer meiner ersten Aktionen damals war zudem, dass ich mir ein Schwimmbad im Garten gebaut habe. Jetzt schwimme ich jeden Tag mindestens eine Stunde. Das bringt schon was. Zusätzlich bewege ich mich täglich an der frischen Luft. Gehe spazieren. Rauche sogar weniger.

Was soll ich sagen? Die ganzen Veränderungen haben letztendlich in Summe geholfen. Und zwar so gut, dass ich ohne Operationen genesen bin. Meine Schmerzen sind weg!

Kann nach langer Zeit endlich wieder lachen: Hermann Pascha, hier bei seinem Besuch in Salzburg.
Kann nach langer Zeit endlich wieder lachen: Hermann Pascha, hier bei seinem Besuch in Salzburg.

Warum hat man so lange gar nichts von Dir gehört?

Hermann Pascha: Wie gesagt. Ich war gesundheitlich schwerstens angeschlagen und musste mich zuerst einmal erholen. Aber jetzt kann es wieder los gehen.

Wie sieht Dein Alltag jetzt, nachdem du dich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hast, aus?

Hermann Pascha: Im Prinzip genieße ich einfach mein neues Leben als Privatier. Mache, was immer mir gerade Spaß macht. Achte aber natürlich nach wie vor darauf, dass ich mein Bewegungsprogramm durchziehe. Ansonsten gehe ich oft zum Schafkopfen, spiele Backgammon oder Poker oder gehe einfach gemütlich zum Wirt. Das sind die Dinge, die mir jetzt Freude bereiten.

Meine großen Ziele, so wie sie auch noch in meinem Buch stehen, habe ich aufgegeben. Ich genieße, was ich habe. Will nicht mehr wie früher nur an das ganz große Geld, den eigenen Hubschrauber und Co. Mittlerweile bin ich wirklich so weit, dass ich das genießen kann, was ich habe. Mich am Leben freue. Es schätze, dass ich wirklich machen kann, was ich will. Ich weiß nicht, wie viele Menschen das von sich behaupten können.

Hättest Du Dir gedacht, dass Du jemals mit jemandem wie Alice Schwarzer etwas gemeinsam haben könntest?

Hermann Pascha: Was sollte ich mit einer verborten Feministin gemeinsam haben?

Nun, Alice Schwarzer wurde ja auch wegen Steuerhinterziehung angeklagt. 

Hermann Pascha: Ja, nur dass Schwarzer wegen Steuerhinterziehung rechtskräftig verurteilt wurde und ich nicht.

Mir wurde angelastet, dass ich durch die Einsetzung eines Strohmannes, also einen geschäftsführenden Gesellschafter, Beihilfe geleistet habe, sprich die Möglichkeit schuf, dass der Betriebsleiter des Pascha Münchens Steuerhinterziehung begehen konnte. Ein großer Unterschied.

Eigentlich wollte ich ja weiterhin für einen Freispruch kämpfen. Meine Anwälte haben mir aber eindringlich geraten, mich auf dieses Urteil zu einigen. Denn einen Freispruch gibt es in Bayern und speziell in Augsburg einfach nicht. Und wenn, käme er einem Sechser im Lotto gleich. Noch dazu vor dem Hintergrund, dass sie mich ja ewig in Untersuchungshaft behalten hatten. Da gibt es schon mal ganz sicher keinen Freispruch. Dabei hat selbst das Finanzamt München schriftlich bestätigt, dass es keine Forderungen an mich hat. Aber was solle es. Vorbei ist vorbei.

Wie lange warst Du in Haft?

Hermann Pascha: ich war 23 Monate in Untersuchungshaft. Eine Erfahrung, die ich, abgesehen von meinem gesundheitlichen Umdenken, nicht hätte machen müssen.

Prinzipiell wäre es aber für gewisse Menschen durchaus von Vorteil, müssten sie auch mal ein paar Monate hinter Gittern verbringen. So sollten straffällig gewordene Leute bereits in der Jugend für zwei, drei Monate ins Gefängnis müssen, anstatt mit einer Bewährungsstrafe davonzukommen. Damit sie begreifen, was sie aufs Spiel setzten. Was Freiheit eigentlich wert ist und wie gut es ihnen geht.

Die zweite Gruppe, der diese Erfahrung guttun würde, wären jene, die Staatsanwalt oder Richter werden wollen. Auch sie sollten vor der Ausübung ihres Berufes mal eine kurze Zeit in Haft verbringen müssen. Dann würden sie jahrelange Haftstrafen nicht mehr wie Gummibärchen verteilen. Schaut man sich gewisse Fälle an, verliert man den Glauben an unsere Justiz. Alleine schon die Tatsache, dass es vom jeweiligen Bundesland abhängig ist, ob und für wie lange man eine Haftstrafe bekommt, ist eine Frechheit. Die bayerische Justiz zum Beispiel ist berüchtigt für seine harten Urteile und langjährigen Haftstrafen. Für das gleiche Vergehen bekommt man da etwa in Nordrhein-Westfalen oftmals lediglich eine Strafe auf Bewährung.

Wie hast Du die Zeit in Haft ausgehalten?

Hermann Pascha: Aus dem gleichen Grund, weshalb ich schon viel in meinen Leben ausgehalten habe und immer wieder aufgestanden und weitergegangen bin. Nämlich, weil ich eine extrem starke Psyche und eine noch stärkere Willenskraft habe.

Das verdanke ich unter anderem meinem Elternhaus. Ich bin so erzogen. Zudem war mein Vater damals nicht nur fünf Jahre im Krieg, sondern auch weitere fünf Jahre in russischer Gefangenschaft. Man hat ihm sozusagen zehn Jahre seines Lebens genommen. Das habe ich mir immer wieder vor Augen geführt. In meiner Zeit im Gefängnis und auch schon viele Male davor. Im Vergleich zu seiner Geschichte relativieren sich die Dinge immer ganz schnell. Das hat jetzt nichts mit einer „Schlimmer geht immer“-Einstellung zu tun. Vielmehr denke ich mir dann: „Über was jammerst Du eigentlich, so schlimm ist es ja gar nicht“.

Man muss halt auch in solchen Situationen versuchen, immer das Positive zu sehen und nach vorne zu blicken.

War es nach Deiner Entlassung schwer für Dich gesellschaftlich wieder Fuß zu fassen? 

Hermann Pascha: Nein, ganz im Gegenteil. Die Leute kommen auf mich zu, freuen sich, dass ich das alles so gut weggesteckt habe. Das können sie teilweise gar nicht glauben.

Und meine Freunde sind ohnehin immer zu mir gestanden. Ebenso wie viele meiner Fans. Es war überwältigend, wie viele mir immer wieder geschrieben haben. Dafür an dieser Stelle auch nochmals ein ganz, ganz großes Dankeschön!

Zu guter Letzt die Frage, die Deine Fans wohl – nach der Frage nach deiner Gesundheit – am meisten interessieren wird: Wird man Dich jetzt auch wieder öfters am Pokertisch sehen?

Hermann Pascha: Ja, auf alle Fälle. Ich war in den vergangenen Wochen schon öfter mal im King´s. Dort werden sie im Januar fixe, wöchentliche Pokerrunden mit mir organisieren. Los geht es übrigens gleich am 1. Januar 2020. So, dass das neue Jahr gleich richtig – also sozusagen mit einer Kärwa – anfängt. Wir spielen Omaha, 10/25, mit 1.000 Buy-In.

Hermann Pascha im King´s Resort.
Hermann Pascha im King´s Resort.

Davor fahre ich noch nach Ischgl. Vom 12. Bis 15. Dezember bin ich dort im Concord Card Casino Ischgl bei den Special-Cashgamedays.

Und dann schauen wir mal, was so an feinen, kleinen Runden zusammenkommt. Kleine deswegen, weil ich vor allem Spaß haben möchte. Das was damals im Fernsehen abging, war mir ehrlich gesagt selbst zu hoch. In dieser Größenordnung spiele ich nicht mehr.

Also wie gesagt: Schauen wir mal. Ich freue mich auf alle Fälle auf die eine oder andere Partie!

13 Kommentare

  1. dein geführtes Interview fand ich sehr interessant. Vor allem aber, dass mit einem starken Willen und einer kompletten Kehrtwende sich auch vieles beheben kann, ohne schwerwiegende Operationen machen zu müssen. Respekt kann ich dazu nur sagen. Auch wenn mir der Name Hermann Pascha vorher nichts gesagt hat.

    Liebe Grüße,
    Mo

    1. Ganz tolles Interview Hermann. Ich kenne dich noch aus dem Pascha Nürnberg. Immer korrekt und höflich zu allen. Bleib gesund und weiter so. Viele Grüße Thomas

  2. Endlich hört man mal wieder was von unserem „Vorzeigefranggn“. Und dann noch sowas Gutes! Ich freue mich riesig, dass man wieder seinen Schmäh im TV/Internet geniessen kann. Ich hoffe, dass er er das noch sehr lange machen kann. Alles Gute, Hermann! Gruss von Hermann aus der Schweiz

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