Obertauern

Manfred Krings feiert seinen 80er und gibt Einblicke in sein Leben

Es ist eine Erfolgsgeschichte aus den Bergen. Eine Geschichte, bei der Erzählung vor allem immer wieder eines betont wird: Nämlich, dass dieser Werdegang nur gemeinsam mit den Brüdern und in Folge mit der Familie möglich wurde. Eine Hommage an Manfred Krings, der am 25. Juli 2021 seinen 80. Geburtstag feierte.

Es waren bescheidene Verhältnisse in denen Manfred Krings aufwuchs. Als jüngstes Kind von Theodor sen. und Theresia Krings geboren, waren Kindheit und Jugend vor allem durch eines geprägt: Harte Arbeit am heimatlichen Bauernhof in Untertauern.

„Dem Weitblick unseres Vaters ist es zu verdanken, dass wir in Obertauern so verankert sind“, erzählt Krings. Dieser erwarb bereits in den dreißiger Jahren trotz schwerer Bedingungen den Hälfte-Anteil an der Seekaralm. So hieß es sowohl für Manfred als auch für die Geschwister bereits in frühen Jahren im Sommer abwechselnd Hüter- und Senndienste auf der Seekaralm zu verrichten. Eine Arbeit, die sowohl schwer, als auch verantwortungsvoll war.

Im Sommer hieß es für Manfred, Gerhard (hier im Bild beim Butterrühren im Jahr 1956 vor der Knappenalm) und Theodor Krings abwechselnd Senn- und Hüterdienst in Obertauern zu verrichten. Foto: Krings
Im Sommer hieß es für Manfred, Gerhard (hier im Bild beim Butterrühren im Jahr 1956 vor der Knappenalm) und Theodor Krings abwechselnd Senn- und Hüterdienst in Obertauern zu verrichten. Foto: Krings

Im Winter wurde dafür jede freie Minute darauf verwendet, um auf Skiern zu stehen. „Wir haben uns selbst hinter dem Bauernhof in Untertauern mit Haselnussstecken einen Slalom gesteckt und trainiert“, erzählt Manfred.

Denn Lifte gab es damals noch keine. Erst geraume Zeit später wurde in Radstadt der Lift Königslehen errichtet, wo er ab und an hinfahren durfte. Als in den 50er Jahren die ersten Lifte in Obertauern errichtet wurden, galt ein Ausflug hierhin, trotz der Nähe zum heimatlichen Etzengut, noch als etwas ganz Besonderes. „Da ging es lediglich ein bis zweimal im Winter herauf“, erinnert sich Krings und ergänzt: „Trotzdem war Skifahren von Beginn an meine Leidenschaft“. Denn für andere Sportarten fehlte auch schlichtweg die Gelegenheit. „Für Fußball hatten wir als Bauernbuben keine Zeit. Tennis war noch verfrüht. Deswegen hat es bei uns als Sport nur das Skifahren im Winter gegeben“, erklärt Krings.

Das Skifahren war von klein auf die große Leidenschaft von Manfred Krings. Foto: Krings
Das Skifahren war von klein auf die große Leidenschaft von Manfred Krings. Foto: Krings

Nach seiner Volksschulzeit arbeitete der damals 15jährige zu Hause in der Landwirtschaft.

Der erste Lift der Gebrüder Krings

Als der Vater Mitte der 50er Jahre den Brüdern Manfred, Gerhard und Theodor anbot, auf dem Grund in Obertauern, an dem er ja zur Hälfte Eigentümer war, einen Lift errichten zu können, zögerten diese nicht lange. „Das war damals freilich nicht leicht“, meint der Jubilar und ergänzt: „Unser Vater hat zwar den Grund zur Verfügung gestellt, sich aber finanziell nicht an der Investition beteiligt. Eine für uns drei Brüder zuerst durchaus mehr als herausfordernde Situation. Aber nach langem hin- und herrechnen ist dann ein Onkel für uns bei der Bank ,gerade gestanden´, wodurch wir das Projekt realisieren konnten.“

So bauten Manfred, Gerhard und Theodor ihren ersten Lift und legten damit den Grundstein zu den Bergbahnen Gebrüder Krings (Mehr zu dieser Erfolgsgeschichte gibt es im anlässlich des Jubiläums erschienenen Beitrags „60 Jahre Gebrüder Krings“).

„Ich war trotz meines jungen Alters von Beginn an dabei. Nicht nur bei der Errichtung, sondern auch beim Betrieb im Winter. Da war ich mit 17 der erste Liftler bei uns“.

Was im Nachhinein leicht klingt, war aber nicht nur eine finanzielle, sondern auch logistische Herausforderung. „In der Bauzeit hat es ja noch keine Straße gegeben“, erzählt Manfred. So wurde etwa der Zement für die Fundamente des Lifts ab dem Sonnhof selbst von den Brüdern hinaufgetragen und der benötigte Sand rund um den See zusammengekratzt. „Da haben wir einen ganzen Sommer lang daran gearbeitet“.

Der erste Kleinschlepplift der Gebrüder Krings in Obertauern, der Grünwaldseelift im Jahr 1957/58!
Der erste Kleinschlepplift der Gebrüder Krings in Obertauern, der „Grünwaldseelift“ im Jahr 1957/58! Foto: Krings

Nach zwei am Lift und zudem als Rennläufer im Landeskader verbrachten Wintern in Österreich zog es Manfred jedoch in die Ferne. „Ich habe meine Rennlaufkarriere damals nach zahlreichen Verletzungen aufgegeben gehabt. Und nachdem Gerhard zudem zusagte, an meiner Stelle beim Lift tätig zu sein, nutzte ich sozusagen die Gunst der Stunde.“

Zuvor galt es jedoch noch den Präsenzdienst beim Bundesheer zu leisten. Als dieser 1961 abgedient war, ging Manfred das Jahr darauf nach England um Englisch zu lernen. „Wir haben damals ja kein Englisch gelernt gehabt und mir war klar, dass ich dies unbedingt brauche um weiter in die Welt ziehen zu können.“

Manfred Krings´ Aufbruch in die weite Welt

Nach sechs Monaten England war er im Winter nochmals zu Hause am Lift, bevor es 1963 so weit war: „Ich wollte unbedingt die Welt sehen. Und zwar in einem Jahr so viel davon wie irgend möglich“, meint Manfred. Also kaufte er sich ein Around the world-Flugticket. Erste, geplante Station: Australien!

„Es war ja nicht so, dass ich das große Geld hatte. Also war mir bereits vor Antritt der Reise klar, dass ich meinen Aufenthalt durch Arbeit finanzieren musste“, schmunzelt er. So fuhr er nach Wien ins Konsulat und schilderte sein scheinbar großes Anliegen. Scheinbar groß, denn die Lösung war damals noch einfach. Auf Anraten immigrierte Manfred kurzerhand in Australien, wodurch er sich dort in Folge als „Mehr-oder-Weniger-Australier“, wie er es nennt, zeitlich unbegrenzt frei bewegen konnte.

„Ich hatte zudem das große Glück, dass ich durch Bekannte Leute kennengelernt habe, die einen Skiclub in Australien hatten. Diese schauten, dass ich eine Arbeit bekam und nebenbei für ihren Skiclub Rennen fahre“. So arbeitete er in Australien neben dem Rennlauffahren zuerst in einem Sportgeschäft und danach ein paar Monate in der Gastronomie als Kellner in einem Restaurant. Eigentlich ein perfektes Arrangement, aber Manfreds Plan war es ja die Welt zu sehen und nach einem Jahr wieder zuhause zu sein. So zog es ihn trotz der fantastischen Zeit zu seiner nächsten Station: Amerika.

Manfred Krings in den 60er-Jahren. Foto: Krings
Manfred Krings in den 60er-Jahren. Foto: Krings

Nach Amerika ging es damals via eines mehrtägigen Zwischenstopps auf Hawaii. Angekommen in San Franzisco, reiste er weiter nach Denver, wo er ebenfalls Leute kannte, die ihm nicht nur bereits in den ersten Tagen seines Aufenthalts die Teilnahme bei einer Skishow ermöglichten, sondern ihm nach lediglich fünf Tagen auch eine Skischule anboten.

Dies lehnte Manfred jedoch dankend ab und setzte seine Reise fort. Hatte er doch bereits einen Vertrag im Osten der Staaten, den es zu erfüllen galt. Angekommen in Vermont, arbeitete er dort einen Winter lang als Skilehrer. Das Angebot der eigenen Skischule wollte ihm aber dennoch nicht so ganz aus dem Kopf gehen. Also beschloss er, beim General Manager der Skischule Informationen über die ihm angebotene Option einzuholen. „Ein top Angebot“, antwortete dieser und ergänzte: „Aber nicht für dich!“. Denn ihn bräuchten sie hier. Wolle man doch, gemeinsam mit ein paar anderen Skigebieten, einen Profiskizirkus aufziehen. „Ja?“, fragte Manfred erstaunt, und meinte „ich bin doch ein Nobody gegenüber den anderen.“ Handelte es sich bei „den anderen“ doch um internationale, ehemalige Nationalkaderläufer, die nach ihrer Karriere nach Amerika gegangen sind. Aber aufgeschlossen für neue Herausforderungen, wie Manfred immer war, sagte er für den kommenden Winter zu.

Nach Saisonende reiste er noch gemeinsam mit einem Skilehrerkollegen mit dem VW-Bus nach Mexiko City, bevor er die Heimreise nach Österreich antrat. Aber hier hielt es ihn nicht lange. Anstatt den Sommer in der Heimat zu verbringen, ging er gemeinsam mit Gerhard für sechs Monate als Steward aufs Schiff, um Süd-Ost-Asien zu bereisen.

Kaum wieder daheim, flog er zurück in die USA um, wie vereinbart, in den dortigen Profi-Skizirkus einzusteigen. Durch den Erhalt der Green-Card war es in den folgenden Jahren leicht, rasch und problemlos zwischen Amerika und Österreich zu pendeln.

Manfred Krings gehörte jahrelang dem Skiprofiteam in Amerika an und fuhr dort erfolgreich zahlreiche Rennen. Foto: Krings
Manfred Krings gehörte jahrelang dem Skiprofiteam in Amerika an und fuhr dort erfolgreich zahlreiche Rennen. Foto: Krings

Dies war durchaus notwendig. Denn 1967 bauten die Gebrüder Krings bereits den Grünwaldseelift aus, 1969 errichteten sie den Seekarspitzlift I und 1970 wurde die Kringsalm gebaut. Und beim Bau war Manfred immer dabei. „Ich war immer der Baumeister von uns drei Brüdern“, schmunzelt er.

Manfred Krings beendet seine erfolgreiche Profikarriere in Amerika

Seine „Amerika-Zeit“, die 1963 mit der Idee, lediglich ein Jahr lang unterwegs zu sein begann, nahm im Winter 1970/71 ihr Ende. „Ich habe mir damals das Kreuz verletzt, was das Aus für meine Profikarriere bedeutete. Zudem hatten wir Brüder mittlerweile wirklich alle Hände voll zu tun“, erzählt Manfred.

Es folgten arbeitsintensive Jahre mit zahlreichen Neu- und Umbauphasen, wie etwa

  • der Bau des Panoramakurvenschleppliftes 1973,
  • Errichtung des „Seekarweges“ 1976,
  • Errichtung des Parallelliftes Seekarspitz II im Jahr 1977,
  • Bau der Hochalm 1979/80,
  • Bau der Panoramadreiersesselbahn und
    Erwerb des heutigen Appartementhauses Christophorus 1983,
  • Erwerb und Ausbau des Kleinkraftwerkes „Hammer“ in Mauterndorf,
  • Kauf des Seekarhauses 1992,
  • Errichtung der Achtersesselbahn Seekarspitzbahn 2017,

um nur einige Eckpunkte zu nennen.

Aber auch privat hat sich für Manfred nach seiner Rückkehr das Leben völlig verändert. Nach seiner Heirat mit Lisi im Jahr 1974 folgten die Geburten der Töchter Alexandra, Isabella und Heidi.

Seit 24. Mai 1974 glücklich verheiratet: Lisi und Manfred Krings, hier im Bild bei Manfreds 80. Geburtstag. Foto: Krings
Seit 24. Mai 1974 glücklich verheiratet: Lisi und Manfred Krings, hier im Bild bei Manfreds 80. Geburtstag. Foto: Krings

Manfred Krings etabliert die ersten Schneekanonen in Obertauern

„Meine Zeit in Amerika hat mir natürlich viel gebracht. Ich durfte etwa Erfahrungen hinsichtlich gut laufender Skigebiete oder der Notwendigkeit von Beschneiungsanlagen sammeln“, so Manfred. 

Kein Wunder also, dass er so auch 1985 den Einsatz der ersten Schneekanonen in Obertauern initiierte. „Da haben sie mich alle für blöd erklärt“, lacht Manfred heute. War es doch eine Zeit, in der künstliche Beschneiung nicht nur in Österreich, sondern eigentlich europaweit, kein ernsthaftes Thema schien, lediglich zaghafte Versuche gestartet wurden.

Dass gerade die darauffolgenden Wintersaisonen auch im sonst schneeverwöhnten Obertauern ohne Beschneiungsanlagen problematisch geworden wären, war jedoch Zufall – oder Fügung.

„Plötzlich kamen die Leute von überall her zum Skifahren, weil die Bergbahnen Krings österreichweit eine der ganz wenigen waren, die, eben durch den Einsatz der Schneekanonen, ausreichend Schnee zum Skifahren boten. Das war natürlich ein immenser Imagegewinn für Obertauern“, erinnert sich Manfred.

In den darauffolgenden Jahren wurden auch in anderen Skigebieten Beschneiunsgsanlagen in Betrieb genommen. Aber dies dauerte und bis zur erfolgreichen Etablierung hatten die Bergbahnen Krings einen enormen Vorsprung.

Einen Vorsprung, der auch verdient worden war. „1985 hat sich ja niemand in Europa mit Schneekanonen wirklich ausgekannt. Aber gemeinsam mit einem Freund, der in der Materie zumindest bis zu einem gewissen Grad bewandert war, haben wir da herumgetüftelt und geplant. Die Schneekanonen selbst mussten wir von Amerika herüber holen, die Rohre aus Schweden. Bei uns hat es einfach nichts gegeben.“, erzählt Manfred.

Seit jener Zeit verging kaum ein Jahr, in dem nicht in die Schneeanlage investiert wurde. Seien es Umbauten, Optimierungen oder Erweiterungen. „Beschneiung ist nach wie vor ein enorm großes Thema. In Obertauern ist sie vor allem für die Zeit von Ende November bis Weihnachten wichtig. Dann, im Januar, Februar, fällt meist eh der große Schnee“, weiß Manfred.

Eine Vision, die, wie viele Ideen von Manfred, von den Brüdern Krings nicht nur umgesetzt wurde, sondern sich auch als richtig erwiesen hat.

„Immer voraus denken“, ist das Motto von Manfred Krings

„Immer neugierig bleiben, offen für Neues sein und immer voraus denken“, lautet nach wie vor die Devise von Manfred Krings. Eine Grundeinstellung, die ihn sein ganzes Leben lang begleitet hat. So fährt er auch heute noch in andere Skigebiete und sieht sich Innovationen an. „Man muss schauen, was sich bewährt und auch, was nicht so gut läuft. Wenn man immer nur daheim ist, wird man sonst betriebsblind und bleibt stehen“, ist er überzeugt.

Genauso verhalte es sich mit Investitionen. Man müsse immer einen Schritt voraus sein, aber auf einer guten Ebene.

Dankbar ist er vor allem für seine Familie. Denn zu bauen und zu investieren sei eine Sache, eine andere sei, dies dann auch zu betreiben. „Bei uns hat das immer super funktioniert. Sei es unter uns Brüdern, mit den Ehefrauen und jetzt mit den Kindern. Es haben alle immer zusammengehalten und fleißig mitgearbeitet. Ohne dem geht es nicht“, ist Manfred überzeugt.

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