Zahlreiche, gefällte Bäume prägen zur Zeit das Bild in Obertauern. Die Empörung ist groß. Wurde die Abholzung doch behördlich genehmigt und angeordnet, um den fünf (ja, fünf!) hier vermutlich lebenden Vögel der Gattung „Rotsternige Blaukehlchen“ einen besseren Lebensraum zu sichern.
Ein trauriges Bild bietet sich zur Zeit in Obertauern. Statt hoffnungsvoll ersehntem Schnee – wenn auch nur künstlich aus Schneekanonen – trüben Mitte November 2018 zahlreiche, frisch gefällte Fichten das Landschaftsbild. Betroffen vom Kahlschlag ist das Naturschutzgebiet Hundsfeldmoor, das sich hinter dem Sportzentrum Obertauern bis hin zum idyllisch gelegenen Fünf-Sterne-Skihotel Das Seekarhaus erstreckt.
Grund für diesen schwer wieder gutzumachenden Eingriff in die Natur: Das Hundsfeld wurde sozusagen „vom Vogel besetzt“. Und zwar nicht von irgendeinem. Nein. Denn hier leben und brüten anscheinend fünf Exemplare des unter Naturschutz stehenden „Rotsternigen Blaukehlchens“.
Anscheinend, denn hört man sich etwa unter den Einheimischen um, wird man kaum jemanden treffen, der eines der seltenen Exemplare schon einmal live vor Augen bekommen hat. Gesichtet wurden die vier Vögel plus einem Jungvogel lediglich von Ornithologen – also Vogelkundlern, die regelmäßig hier nach den gefiederten Freunden suchen.
Wie auch immer. Der Vogel ist höchst offiziell hier beheimatet. Grund genug für die Behörden, um im Rahmen des Projektes „Vielfalt Leben“ zahlreiche, ohnehin in dieser Höhe sehr langsam wachsende, Fichten zu fällen, und Latschen auszudünnen.
Mit dieser Aktion werde den geschützten Vögelchen mehr Lebensraum gegeben werden. Man beachte die Ironie in Verbindung mit dem Namen „Vielfalt Leben“. Denn durch das Schlägern der Bäume sollen andere Vögel vertrieben werden. Unter anderem werde so vermieden, dass die – in Obertauern auch selten anzutreffenden – Greifvögel einen Ansitz finden, um die noch selteneren „Rotsternigen Blaukehlchen“ jagen zu können.
Was es mit den sonderbaren Vögeln genau auf sich hat?
Der Vogel, der Obertauern fest im Griff hat:
Das Rotsternige Blaukehlchen
Nun, das „Rotsternige Blaukehlchen“ hat in Obertauern seinen einzigen Brutplatz in Mitteleuropa. Warum sich der vom Aussterben bedrohte Kerl gerade ein touristisch boomendes Gebiet wie Obertauern zum Brüten sucht, ist nicht nur nicht wirklich erklärbar, sondern wird auch nirgendwo erläutert.
Fakt ist, dass das Hundsfeldmoor sein erklärtes Lebensgebiet ist und es sich um eine mit dem Rotkehlchen und der Nachtigall verwandten Spezies handelt. Systematisch wird der kleine, schlanke Vogel zu den Drosseln gerechnet.
Das Naturschutzgebiet Hundsfeldmoor
Dem Hundsfeldmoor gab das „Rotsternige Blaukehlchen“ seine offizielle, ornithologische Bedeutsamkeit. Wer schon einmal im Sommer in Obertauern war [wie fein es in Obertauern auch im Sommer sein kann ist gerne im Beitrag „Wunderbar wanderbar – Obertauern im Sommer“ nachzulesen], dem werden die „Wächter des Hundsfeldmoors“ sicher aufgefallen sein. Die zumeist älteren Herren sitzen oft, bewaffnet mit ihren Feldstechern, stundenlang am Parkplatz vor dem Sportzentrum in ihrem Auto und kontrollieren unter anderem penibelst, ob auch ja niemand mit seinem Hund ohne Leine unterwegs ist. Und dies auch zu den seltenen Zeiten, in dem Obertauern wirklich nur den Obertaurern gehört. Man also fast von Glück sprechen kann, wenn man einem anderen Menschen begegnet. Die Verlockung, seinen Hund einmal laufen zu lassen, also schon groß ist. Sogar als Besitzerin eines zwei Kilo schweren Chihuahuas kann man da das eine oder andere lustige Hunde-Jagdinstinkt-Gespräch führen.
Natürlich hat das auch seine Berechtigung. Keine Frage. Denn das Hundsfeldmoor ist nicht nur die Heimat des „Luscinia svecica svecica“, wie das „Rotsternige Blaukehlchen“ fachlich korrekt genannt wird. Das rund 100 Hektar große Areal beherbergt zudem 45 gefährdete oder geschützte Pflanzen und bietet insgesamt etwa 40 Brutvogelarten perfekte Bedingungen [Quelle: Salzburgwiki].
Seit 1995 gehört das Hundsfeldmoor zudem zu den Natura-2000-Gebieten. Hierbei handelt es sich um ein „zusammenhängendes Netz von Schutzgebieten innerhalb der Europäischen Union, das seit 1992 nach den Maßstäben der Fauna-Flora-Richtlinie errichtet wird [vgl. Wikipedia]. Weitere Informationen zur ökologischen Bedeutung des Hundsfeldmoors finden Interessierte auch auf der Seite des Umweltbundesamts.
Hier wird mit zweierlei Maß gemessen
Selbstverständlich ist Naturschutz wichtig. Dies wird auch von den Einheimischen in Obertauern respektiert und gelebt. Aber dass nun in einem Gebiet Bäume gefällt werden, in dem Private bereits mit einer Anzeige rechnen müssen, wenn sie Latschen lediglich ausholzen, geht dann doch den meisten zu weit.
Latschenschlägerung bei Pistenarbeiten von Liftbetreibern ruft sofort die Naturschutzbehörde auf den Plan. Eine Beleuchtung der beliebten und stark frequentierten Seekarstraße vom Sportzentrum zum Hotel Das Seekarhaus wurde einzig und alleine aufgrund des Daseins des „Rotsternigen Blaukehlchens“ verhindert. Ist zwar nicht wirklich nachvollziehbar, zumal im Winter nicht gebrütet wird, muss man aber akzeptieren. Und wie gesagt, beziehungsweise geschrieben: In Obertauern hört man nie etwas gegen das Naturschutzgebiet. Sowohl Einheimische, als auch Liftbesitzer oder Hoteliers versuchen auch ihren Beitrag zum Schutz des „seltsamen Vogels“ zu leisten.
Aber irgendwann ist es auch zu viel. Und wenn ein großflächiges Fällen von Fichten und Ausdünnen der Latschen durch „Bird Life“ und Naturschutz von den Behörden nicht nur bewilligt wird, sondern in einer Nacht – und Nebelaktion, ohne Rücksprache mit irgendwem, durchgeführt wird, ist das eindeutig der Fall.
Was ist Deine Meinung dazu?
„Die haben einen Vogel mit dem Vogel“ oder
„Obertauern hat einen Vogel und der gehört unter allen Umständen geschützt“?Ich freue mich auf Deine Meinung in den Kommentaren!
Übrigens: Alle weitere Blogazin-Beiträge über Obertauern findet man gesammelt unter der Kategorie „Obertauern„!

