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Salzburger Festspiele: Tobias Moretti las „Zum Sisyphos. Ein Abendmahl.“

Gleich vorweg für jene, die Berichte nicht gerne zu Ende lesen: Es war wunderbar. Ein als „grantelnder Wirt“ überzeugender Tobias Moretti bei der Uraufführung von Albert Obermaiers Theatermonolog „Zum Sisyphos. Ein Abendmahl.“ am 12. August 2019 im Salzburger Restaurant M32.

„Der Gast als König! Das kann sich nur ein Österreicher ausgedacht haben. So masochistisch kann nur ein Österreicher sein“, spricht sich Tobias Moretti in der Rolle des Wirtes, dessen größte Belastung die Gäste sind, seinen Frust in Albert Obermaiers Gegenwartskritik „Zum Sisyphos. Ein Abendmahl.“ in Rage. Zu Beginn noch durchaus zum Lachen, bleibt einem dieses im Laufe des Abends oft wahrlich im Halse stecken.

In bester und teilweise typisch-derber Peter Handke-Manier bekommt man als Zuseher einen Spiegel der Gesellschaft vorgehalten, bei dem man einem Widerspruch der Gefühle ausgesetzt wird.

Lachen? Nachdenken? Sich innerlich wehren? Nun, mit einem „so bin ich aber nicht, aber …“, wird man nach anfänglicher Belustigung schon bald einem innerlichen Zwiespalt ausgesetzt, der in der raschen Abfolge des Wut-Wirt-Monologs nicht ganz bewältigt werden kann.

Was bleibt, ist die Erinnerung an eine wunderbar unterhaltsame Inszenierung und der Wunsch, aus der ungewollt zugeteilten Rolle des Statisten herauszutreten, diese geballte Wortwucht in Ruhe nochmals nachzulesen und in Stille zu reflektieren.

Aber nicht nur der Zuschauer bekommt seine Rechnung präsentiert. Gleichwohl werden die Stadt Salzburg, der Wirt selbst und aktuelles Zeitgeschehen – mit politisch nicht immer ganz korrekten Beschimpfungen – ins Visier genommen.

Es geht unter anderem um deklarierte Trinkgeldverweigerer, penetrante Social-Media-Plattformen-Bewertungs-Droher, ungenierte Toilettenbesucher, die das Wirtshaus zum „Scheißhaus“ degradieren und Chinesen, die hierzulande nun gleichwohl Hallstätter genannt werden wie Zeller das gastronomische Synonym für Araber wird.

Gewollt gewöhnungsbedürftig auch die musikalische Umrahmung. Das Trio mit Trompete, Posaune und Tuba sorgt mit eigenwilligen Arrangements dafür, dass man das Gehörte in den so entstehenden Wortpausen nicht wirklich verarbeiten kann.

Ein Stück, das gleichzeitig köstlich und schwer wie der im Anschluss an die Vorstellung in bester Wirtshaus-Manier servierte, und im Eintrittspreis bereits inkludierte, Schweinsbraten ist.

Karten für Tobias Moretti, „Zum Sisyphos. Ein Abendmahl“

Albert Ostermaiers Monolog „Zum Sisyphos. Ein Abendmahl“ wurde am 12. August 2019 uraufgeführt. Weitere Vorstellungen am 16. und 20. August 2019 im M32.

Ein als „grantelnder Wirt“ überzeugender Tobias Moretti bei der Uraufführung von Albert Obermaiers Theatermonolog „Zum Sisyphos. Ein Abendmahl.“ am 12. August im Salzburger Restaurant M32.
Ein als „grantelnder Wirt“ überzeugender Tobias Moretti bei der Uraufführung von Albert Obermaiers Theatermonolog „Zum Sisyphos. Ein Abendmahl.“ am 12. August im Salzburger Restaurant M32.

Nähere Informationen via der Homepage der Salzburger Festspiele.

ein Kommentar

  1. Dieser Artikel ist sehr gut geschrieben, dass man nichts mehr hinzu fügen muss. Das Ganze hinterlässt Eindrücke. Sogar noch Tage danach. Man beobachtet die Leute und sich selbst. Tobias Moretti war genial. Kompliment an Albert Ostermaier und Sepp Schellhorn. Wir waren zu Viert bei der Uraufführung und haben uns immer wieder im Stück selbst gefunden. Das muss man echt nochmal in Ruhe lesen, oder es sich mehrmals anhören, falls man Zeit dazu hat. Wunderbar! Ich liebe die schräge Musik von Werner Pirchner. Passt so gut dazu!
    Elisabeth Modauer

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