Salzburg

Frauenhäuser vor dem Aus: Haus Mirjam-Leiterin klärt auf

Trotz zahlreicher Proteste schreitet die Zerschlagung der Salzburger Frauenhäuser zügig voran. Weshalb so etwas in einem sozialen Rechtsstaat zugelassen wird und warum eine Beteiligung an der EU-weiten Ausschreibung nicht möglich ist, erklärt die Leiterin des Frauenhauses Hallein.

Ein Aufschrei ging durchs Land, als bekannt wurde, dass die Salzburger Neos-Landesrätin Andrea Klambauer trotz überparteilicher Proteste, eingehender Erklärungsversuche, Bitten aus der Bevölkerung und begründeter Hinweise an ihren Plänen festhält, und die Zerschlagung der Salzburger Frauenhäuser vorantreibt.

[Auch „Die gute Laune“ berichtete – nachzulesen im Beitrag
Hilferufe aus den Salzburger Frauenhäusern“.]

Kaum eine Frauenorganisation, die nicht davor warnte, welch weitreichende, soziale Konsequenzen die Schließung der beiden Frauenhäuser mit sich bringen wird. Ausgetragen auf dem Rücken schutzbedürftiger Frauen und Kinder wird hier von der Salzburger Landesrätin ein politisches Exempel statuiert. Ein Exempel, dass zu einer enormen Schwächung des Schutzes vor Gewalt führen wird.

EU-weite Ausschreibung der Salzburger Frauenhäuser in zwei Stufen

Mit Juni 2020 begann die erste Phase des zweistufigen Verfahrens. Eine vorab von der Klambauer installierte Expertenrunde wird die Bewerber hinsichtlich Eignung und Zuverlässigkeit prüfen. In Phase Zwei sollen jene zehn Bewerber, die es in die engere Auswahl geschafft haben, ihre Konzepte vorlegen. Welches Konzept den Zuschlag erhält, soll Ende des Jahres feststehen, die Umsetzung mit Mitte 2021 beginnen.

Während die Landesrätin in diversen Medien immer wieder Gelegenheit bekam, ihr bedenkliches Unterfangen zu argumentieren, wurden die Leiterinnen der betroffenen Frauenhäuser kaum zu einer Stellungnahme eingeladen. So entstand – unter anderem – der Eindruck, Klambauer stünde mit den Frauenhaus-Leiterinnen ohnehin in ständigem Kontakt und es seien keine Fragen offen. Zudem seien die beiden, jahrelang erfolgreich im sozialen Bereich tätigen Frauenhausleiterinnen lediglich nicht in der für die Ausschreibung installierten Expertenrunde, weil sie sonst um ihre Bewerbung gebracht würden.

Auf Nachfrage des Die gute Laune-Magazins stellten sich diverse Sachverhalt allerdings doch etwas anders dar. Ein Grund mehr, Doris Weißenberger, die Leiterin des Frauenhauses Hallein, zum Interview zu bitten.

Die Leiterinnen der Frauenhäuser Hallein und Salzburg.
Doris Weißenberger, Leiterin vom Frauenhaus Mirjam in Hallein (links) und Birgit Thaler-Haag, Leiterin des Salzburger Frauenhauses kämpfen weiterhin für den Erhalt der Salzburger Frauenhäuser. Foto: Privat

Die Leiterin des Frauenhauses Hallein, Doris Weißenberger, im Interview

Die gute Laune: Die Frauenhäuser Salzburg und Hallein werden nun tatsächlich EU-weit ausgeschrieben. Ist dies das definitive Aus für die beiden Frauenhäuser oder werden sie vom neuen Betreiber übernommen? Was geschieht mit den Mitarbeitern, und wie viele sind davon betroffen?

Doris Weißenberger: Ja, es ist das Aus. Statt der zwei Frauenhäuser in Salzburg und Hallein werden 27 „Schutzplätze“ im Salzburger Land ausgeschrieben. Das ist ein völlig diffuser Begriff. Zudem wird auch Betreibern, die noch nie in diesem Bereich tätig waren, die Möglichkeit gegeben, auf niedrigem Niveau etwas anzubieten. Diese sogenannten „Schutzplätze“ müssen auf das Bundesland verteilen werden.

Damit einher geht auch der Verlust der Arbeitsplätze. In den Frauenhäusern Salzburg und Hallein sind davon ca. 30 Mitarbeiterinnen betroffen. Viele von ihnen arbeiten in Teilzeit, sind über 50 Jahre alt und seit 20 Jahren in diesem Bereich engagiert.

Die gute Laune: Was genau hat LR Klambauer dazu veranlasst, eine regional so gut verankerte und mit hoher Akzeptanz in der Bevölkerung ausgestattete Institution wie das Frauenhaus Hallein zuzusperren? Sie muss ja vor Ort auf Mängel gestoßen sein. Warum wurden diese nicht bestmöglich behoben?

Weißenberger: Nun, vor Ort ist die Landesrätin sicher nicht auf Mängel gestoßen. Denn sie war nie im Haus Mirjam. Weder, um sich ein Bild von den Gegebenheiten zu machen, noch um sich die Herausforderungen, vor denen man bei der Arbeit mit traumatisierten Frauen und Kindern gestellt ist, erläutern zu lassen. Die Frauenhäuser wurden auch nie eingeladen an neuen Ideen zur Weiterentwicklung mitzuarbeiten.

Warum beteiligen sich die betroffenen Frauenhäuser nicht einfach bei dieser Ausschreibung? Mit dem Know How aus mehr als 20 Jahren Erfahrung müsste es doch gute Chancen geben, diese zu gewinnen.

Weißenberger: Weil rasch klar war, dass mit dieser Ausschreibung eine massive Schwächung des Gewaltschutzes einhergeht. Dass allgemeingültige Grundsätze der Frauenhäuser, wie Verschwiegenheit, Anonymität und Beratungsqualität keine Gültigkeit mehr haben werden. Dass all das, wofür wir in den Frauenhäusern stehen, unter den neuen Gegebenheiten nicht mehr möglich ist.

Für eine derartig menschenverachtende Vorgehensweise kann sich keiner aus unserem Team einsetzen. Wir setzen uns teils seit 20 Jahren mit viel Herzblut für unsere Schützlinge ein. Ohne persönliches Engagement und eine große Leidenschaft ist diese Arbeit nicht zu bewältigen. Da muss man wirklich hundertprozentig hinter der gebotenen Leistung stehen können. Und das ist künftig bei bestem Willen nicht möglich.

Ein kleines Beispiel: Das Haus des Frauenhauses Hallein wird seit 30 Jahren kostenfrei von der Pfarre zur Verfügung gestellt. Wenn jetzt das Geld von zwei Häusern auf mehrere Standorte irgendwie verteilt werden soll, ist die Weiterbeschäftigung von qualifizierten Fachfrauen, wie sie im Haus Mirjam im Einsatz sind, alleine aus finanziellen Gründen nicht möglich. Da muss in diesem so sensiblen Bereich auf weniger gut ausgebildete Mitarbeiter umgesattelt werden. Sonst reicht das vorhandene Geld selbst für nicht profitorientierte Unternehmen aus. Und nicht auf Gewinn ausgerichtete Bewerber wird es ja kaum geben.

„Ein Frauenhaus ist so viel mehr als nur eine sichere Unterkunft.“

Doris Weißenberger

Ein Frauenhaus ist so viel mehr als nur eine sichere Unterkunft. Fast jede Frau, die es schafft, sich aus einer jahrelangen Gewaltbeziehung zu lösen, ist stark traumatisiert. Für alle diese Frauen ist es wichtig, dass jemand da ist. Ein Mensch, mit dem eine vertrauensvolle Beratungsbeziehung aufgebaut werden kann, um schrittweise wieder in ein eigenständiges Leben zu finden. Um dieser Mensch sein zu können, benötigt es eine fundierte Ausbildung. Bei uns sind ausgebildete Psychologinnen, Pädagoginnen, Sozialarbeiterinnen und Beraterinnen vor Ort, die zudem die notwendige, langjährige Erfahrung im Umgang mit Gewaltopfern haben.

Opfer, zu denen leider auch Kinder zählen. Gerade jene, die aus Gewaltbeziehungen kommen, brauchen ein sicheres Umfeld und professionelle Begleitung, um das Erlebte zu verarbeiten. Selbst Kinder, die körperlich nicht direkt angegriffen wurden, sind sie traumatisiert. In deren Welt gilt: „Wenn der Papa die Mama haut, trifft er auch mich.“

Solche Dinge lassen sich nicht auslagern und bequem auf verschiedene Wohnungen verteilen, in die ab und an jemand von den Beauftragten zu Besuch kommt. Für diese Menschen sind Frauenhäuser, wie sie auch in Salzburg und Hallein bislang bestanden, geschaffen worden. Frauenhäuser, für die es, trotz all der dort aufgefangenen Not und dem großen Leid der Betroffenen, Freude macht zu arbeiten. Weil wir etwas dazu beitragen können, dass diese Frauen und Kinder nachhaltig betreut werden, um wieder zu einem besseren Leben zu finden. Und genau diesen Beitrag wollen wir leisten. Ein sozialer Zugang, der mit dem Klambauer-Konzept einfach nicht in Einklang zu bringen ist.

Aus für das Frauenhaus Mirjam in Hallein.: Nicht nur, dass den zur Zeit im Frauenhaus Mirjam betreuten Frauen und Kindern die Hoffnung auf Hilfe für den Neustart in ein gewaltbefreites Leben genommen wird. Auch die Mitarbeiterinnen, teils über 20 Jahre in diesem Bereich tätig, verlieren ihre Arbeitsplätze. Foto: Haus Mirjam
Aus für das Frauenhaus Mirjam in Hallein: Nicht nur, dass den zur Zeit im Frauenhaus Mirjam betreuten Frauen und Kindern die Hoffnung auf Hilfe für den Neustart in ein gewaltbefreites Leben genommen wird. Auch die Mitarbeiterinnen, teils über 20 Jahre in diesem Bereich tätig, verlieren ihre Arbeitsplätze. Foto: Haus Mirjam

Die Ausschreibung gilt nur für die Frauenhäuser Hallein und Salzburg. Das dritte Frauenhaus im Land Salzburg, das gerade errichtet wird, ist nicht Teil davon. Wie ist das erklärbar?

Weißenberger:  Diese Frage müssen Sie an Frau Klambauer richten. Darauf hat es noch keine schlüssigen Antworten gegeben.

Die Idee an sich, die Frauenhäuser anders aufzustellen, ist ja nicht völlig neu. Sowohl unter Ressortführung der Grünen, als auch der Sozialdemokraten gab es Konzepte für eine Weiterentwicklung der Frauenhäuser. Warum wurden diese von den Frauenhäusern nie umgesetzt?

Weißenberger: Weil diese leider schlichtweg nicht realisierbar waren. Die Ideen an sich waren durchaus gut. Nur wurden die dafür nötigen Mittel nicht bereitgestellt. Wir haben seit jeher um die Finanzierung kämpfen müssen. Es ist leicht, tolle Ideen zu haben. Die hätten wir auch. Wir wären mehr als dankbar gewesen, hätte man uns auch wirklich geholfen, diese in die Tat umzusetzen. Nur, alleine damit, neue Konzepte zu entwickeln ist es nicht getan. Die müssen auch finanziell verwirklichbar sein.

Die Neos argumentieren damit, dass es diesmal nicht um Geld gehe. Vielmehr sei die Ausschreibung so angelegt, dass es bei der Auswahl zu 60 Prozent um Qualität und lediglich zu 40 Prozent um den Preis gehe. Das ist für eine öffentliche Ausschreibung doch ein außergewöhnlich hoher Qualitätsanspruch und müsste auch im Sinne der Frauenhäuser sein. Noch dazu vor dem Hintergrund, dass nun die Möglichkeit besteht, eigene Konzepte einzubringen.

Weißenberger: Auf den ersten Blick scheint es eine faire Ausschreibung zu sein, ja. Aber hier handelt es sich nicht um die Vergabe eines Bauvorhabens. Hier geht es um in Not geratene Menschen. Und, wohl gemerkt: Vorkenntnisse in unserem speziellen Bereich, also mit Frauenhäusern, sind für die Einreichung gar nicht notwendig. Da muss man sich schon fragen, welche Art der Qualität hier gemeint ist. Lediglich Erfahrung im Sozialbereich in Form von Betreuung von Frauen oder Kinder und Jugendlichen mitbringen zu müssen, wird in der Praxis nicht reichen.

Bei uns dauert die Einschulung einer neuen Mitarbeiterin ca. ein Jahr. Wie bitte soll dies bei Leuten, die weder Erfahrung mitbringen, noch auf das langjährige Know-how anderer Teammitglieder zurückgreifen könne, funktionieren?  

Die aktuell erbrachten Leistungen, die gelebten Grundprinzipien und hohen Qualitätsstandards der österreichischen Frauenhäuser sind ja nicht über Nacht entstanden. Vielmehr steckt da jede Menge ehrenamtlicher Einsatz und ein enormes Engagement der Zivilbevölkerung dahinter. Seit Jahrzehnten arbeiten wir in einem großen Netzwerk. Dieses entwickelte sich aus langsam wachsenden Strukturen, ohne die es in diesem Bereich einfach nicht geht. Weder lokal, noch national und schon recht nicht international. Wie bitte, sollen hier Newcomer rasch Fuß fassen und diese notwendigen, auf Vertrauen aufgebauten Verbindungen aufrecht erhalten können?

Muss die Vergabe der Frauenhäuser nicht vom Vergabegesetz her Eu-weit ausgeschrieben werden? Mit einer jährlichen Fördersumme von 1,2 Millionen Euro ist doch automatisch eine transparente Ausschreibung nötig.

Weißenberger: Das ist ja der breit verbreitete Irrtum. Die Ausschreibung wurde erst möglich, nachdem die Budgets der beiden Häuser Salzburg und Hallein erstmalig zusammengezogen wurde. Eine Ausschreibung ist also nicht nötig, geschweige denn gesetzlich geregelt.

Die Auseinandersetzung mit der Ausschreibung von frauen- und mädchenspezifischen Angeboten, die gesellschaftspolitisch wichtige Arbeit leisten, wie Frauenhäuser, Beratungsstellen, etc., begann übrigens bereits im Jahr 2011. Seitdem wird immer wieder zu Recht gefordert, dass gesellschaftspolitisch wichtige Anliegen grundsätzlich nicht unter das Wettbewerbs- und Vergaberecht fallen sollen. Hier geht es um so wichtige Bereiche wie Bildung, Gesundheitseinrichtungen, notwendige Infrastruktur und auch soziale Sicherungssysteme, wie Frauenhäuser.

Ein Argument der – wenigen – Ausschreibungs-Befürworter ist, dass durch das künftige Konzept besser auf unterschiedliche Gefährdungsstufen und Betreuungsintensitäten Rücksicht genommen werde. Zudem sei damit regional eine bessere Abdeckung möglich.

Weißenberger: Auch das klingt auf den ersten Blick gut. Leider geht auch dieser Wunsch völlig an der Realität vorbei. Die meisten Frauen können ihre tatsächliche Gefährdung nicht einmal selbst einschätzen. Viele sind nach einem jahrelangen Leben in einer Gewaltbeziehung schwer traumatisiert. Wenn sie dann wirklich den Mut aufbringen und Zuflucht suchen, sind sie oft nicht nur psychisch, sondern oft auch physisch total am Ende. Eine tatsächliche Gefährdungsstufe ist da schwer einschätzbar. Das sind lediglich Momentaufnahmen. Denn die Gefährdung kann sich jederzeit ändern. Oft reicht ein nichtiger Anlass, der den gewalttätigen Partner die letzte Hemmschwelle überschreiten lässt. So etwas kann man nicht wirklich einschätzen.

„Schutzplätze nicht mit Frauenhaus-Plätzen vergleichbar“

Mit dem neuen Konzept wird es, wie schon gesagt, weniger Frauenhaus-Plätze geben. Denn die überall angepriesenen und zur Ausschreibung kommenden Schutzplätze sind ja keine zusätzlichen Plätze. Sie werden lediglich statt der bestehenden 27 Frauenhaus-Plätze in Salzburg und Hallein entstehen. Es ist eine Augenauswischerei auf Kosten der Frauen und Kinder. Denn mit dem Titel „Schutzplatz“ entgeht man den internationalen Qualitätsanforderungen der Frauenhaus-Plätze.

Ähnlich die Situation der jeweils notwendigen Betreuungsintensität. Man darf nicht vergessen, dass wir es mit teils über Jahre hinweg terrorisierten Frauen und Kindern zu tun haben. Da kommt viel Verdrängtes erst im Laufe intensiver Gespräche ans Tageslicht. Rückschläge bei der Verarbeitung der Geschehnisse, Depressionen oder erst später auftretende Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern sind leider keine Seltenheit. Wie soll dies kategorisiert werden?

Zudem: Das Zusammenleben im Frauenhaus mit anderen Frauen, die unterschiedlich stark gefährdet, oder auch in anderen Stadien am Weg in ein neues Leben sind, ermöglicht auch eine Stärkung untereinander. Die Frauen merken plötzlich, sie sind nicht alleine mit dieser großen Bürde. Erfahren, dass sie sich nicht schämen müssen, weil ihnen dies passiert ist. In Kombination mit den anwesenden Fachfrauen sehen sie die Chance, dass das Unmögliche möglich wird und sie es schaffen. Aber es braucht Zeit, Vertrauen und Beziehung, um sich öffnen zu können, um das Grauenvolle, das Erlebte erzählen und überwinden zu können. Das funktioniert nicht mit der geforderten Kategorisierung in verschiedene Bedarfsstufen.

Zur regionalen Abdeckung. Diese ist auch jetzt gegeben. Zudem muss man auch hier den Tatsachen ins Auge schauen. Denn gerade Frauen, die aus kleineren, ländlichen Gemeinden kommen und sich aus einer Gewaltbeziehung lösen wollen, suchen meist nicht nach einer Unterkunft vor Ort. Diese Frauen befinden sich in einer Ausnahmesituation, für die sie zwar nichts können, sich aber trotz allem oft dafür schämen. Da will man nicht in eine Einrichtung im Dorf, in dem jeder jeden kennt.  

Sie gelten gemeinhin als umgänglicher Mensch, der sozial extrem engagiert ist und äußerst zielorientiert handelt und denkt. Wieso kommt es da ausgerechnet zu Schwierigkeiten mit den jeweiligen Frauen-Ressort-Chefs, die ja für das finanzielle Überleben der Frauenhäuser maßgebend sind. Hätte man die „Ära Klambauer“ nicht einfach aussitzen können?

Weißenberger: Ich glaube, ich bin auch sehr umgänglich. In einem normal geführten Gespräch diskutiere ich unterschiedliche Standpunkte liebend gerne. Aber bei unsachlichen Anweisungen, die jeglicher Vernunft widersprechen und auf Kosten sich nicht wehren könnender Menschen gehen, reißt auch mir einmal der Geduldsfaden.

Von Frauenressortverantwortlichen sollte man sich doch erwarten können, dass sie sich vorher erkundigen. Sich schlau machen, wenn sie keine Ahnung von der Materie haben. Mit den Verantwortlichen das Gespräch suchen. Sich nach allen Richtungen absichern, bevor sie sozial unverträgliche Konzepte entwerfen. Vorwürfe, wie betroffene Frauen hätten eine zu lange Aufenthaltsdauer in den Frauenhäusern, prüfen, bevor sie in den Raum gestellt werden.

Wir kämpfen Jahr für Jahr ums finanzielle Überleben. Ohne zusätzliche Mittel aus den Gemeinden, Spenden von der Zivilbevölkerung, dem pachtfreien überlassen des Hauses von der Kirche und die ehrenamtliche Leistung zahlreicher Menschen würde es das Frauenhaus Mirjam ja schon lange nicht mehr geben. Und uns dann vorzuwerfen, wir wären nicht kooperativ und neuen Ideen gegenüber nicht aufgeschlossen, macht einen sprachlos. Wir arbeiten mit Frauen und Kinder, die vom Schicksal hart getroffen wurden. Da kann man Dinge nicht „aussitzen“.

Die Petition „Stoppt die Ausschreibung der Frauenhäuser in Salzburg“ wurde mit Stand vom 17. Juni 2020 von 11.501 Personen unterzeichnet. Zahlreiche Politiker und Vertreter verschiedenster Organisationen äußerten öffentlich ihren Unmut zum Vorhaben von Klambauer. Blieb dies alles völlig ohne Wirkung, oder gab es danach nochmals einen Versuch, die Problematik anders zu lösen?

Weißenberger: Davon zeigte sich die Landesrätin leider völlig unbeeindruckt. Sie stellt sich keinem Fachgespräch. Vielmehr betonte sie des Öfteren, dass sie sich nicht unter Druck setzen lasse.

Für Samstag, 20. Juni 2020, rufen die SPÖ Frauen Tennengau gemeinsam mit den Grünen Hallein und weiteren Organisationen zum „überparteilichen Schweigemarsch für den Erhalt autonomer Frauenhäuser“ [Treffpunkt ist 10 Uhr vor der Volksbank in Hallein]. Besteht, allen bisherigen Erfahrungen mit der Landesrätin zum Trotz, noch Hoffnung auf einen Stopp der Ausschreibung und eine Weiterführung der Frauenhäuser?

Weißenberger: Für uns ist es vor allem eines: Eine sensationelle Unterstützung. Und sei es nur moralisch – es tut nach den vergangenen Wochen, die wirklich mehr als hart für uns waren, total gut, zu sehen, dass die Menschen hinter uns stehen. Dass all die Arbeit der vergangenen dreißig Jahre nicht nur zahlreichen Frauen und Kindern geholfen hat, sondern auch außerhalb des Frauenhauses gewürdigt wird.

Zu wissen, dass dem Großteil der Bevölkerung die Wichtigkeit unabhängiger Frauenhäuser bewusst ist, macht die Situation leichter erträglich. Unabhängig davon, wie die Causa Klambauer ausgehen wird: Im Namen meines Teams und auch des Frauenhauses Salzburg ein ganz, ganz großes Danke an alle, die uns immer wieder unterstützt und Mut zugesprochen haben!

1 Kommentar

  1. Durch jobbedingte Vernetzungen mit dem Team des Halleiner Frauenhaus konnte ich mich vom persönlichen Einsatz, der Liebe zu den Menschen und vor allem der Professionalität überzeugen.
    Es wäre effizienter dieses bestehende, in der Bevölkerung anerkannte System zu unterstützen.
    Claudia Zankl
    Beratungslehrerin

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