Obertauern Salzburg

Reaktionen aus Obertauern auf späten Tourismusstart in Salzburg

Obwohl der Lockdown österreichweit am 12. Dezember endet, dürfen Salzburgs Hotellerie- und Gastronomiebetriebe erst am 17. Dezember 2021 starten. Eine Vorgabe, die auch in Obertauern, neben Freude über die Öffnung, für Unmut und Unverständnis sorgt. „Die gute Laune“ hat Gastronomen und Hoteliers befragt.

Von Freude, über Kopfschütteln bis hin zu offenem Ärger reichten in Obertauern die Reaktionen auf das Öffnungsdatum nach dem Lockdown. Während die einen einfach nur froh waren, endlich wieder aufsperren zu können, taten andere ihren Unmut kund. Grund des Ärgers: Während Salzburgs Gastronomie und Hotellerie erst am 17. Dezember 2021 in die Wintersaison starten können, öffnet Tirol und Vorarlberg bereits am 12. Dezember für den Skiurlaub.

Möglich macht dies in Österreich das föderalistische Prinzip. Dadurch kann der Bund das Mindestmaß an Regelungen vorgeben, das von den einzelnen Bundesländern individuell verschärft werden darf. Das Resultat ist ein großer „Fleckerlteppich“ an unterschiedlichen Vorgaben im kleinen Österreich. So sperren etwa die Bundesländer Tirol und Vorarlberg Gastronomie und Hotellerie bereits am 12. Dezember auf, Oberösterreich, Kärnten und Salzburg am 17. und Wien gar erst am 20. Dezember.

Für Ärger sorgt vor allem die Tatsache, dass zum Beispiel Vorarlberg und Tirol viel höhere Sieben-Tage-Inzidenzen aufweisen als Salzburg und trotzdem aufsperren. Auch hinsichtlich der belegten Spitalsbetten schneidet das öffnungsfreudige Tirol schlechter ab als Salzburg. So stellen sich viele die Frage, auf welcher Grundlage die Entscheidung, dass nicht einmal die westlichen Bundesländer einheitlich aufsperren, getroffen wurde.

Unterschiedliche Öffnungsdaten sorgen für zusätzliche Verwirrung

Ab 17. Dezember 2021 kann man auch auf der Hochalm wieder das Kultgetränk „Himbeerli“ genießen. Foto: TVB Obertauern
Ab 17. Dezember 2021 kann man auch auf der Hochalm wieder das Kultgetränk „Himbeerli“ genießen. Foto: TVB Obertauern

„Es ist einfach nur schade für Salzburg“, meint auch Martina Krings von der Hochalm. Viele Betriebe hätten ja bereits 21 Monate geschlossen, da zähle jeder Tag, an dem geöffnet sein kann. „Auch für viele Gäste ist diese Regelung schwierig. Nicht nur, dass sie ihre Urlaubszeit ja bereits fixiert hatten und jetzt erneut umbuchen müssen. Sie kennt sich ja wirklich nicht mehr aus. Da hätte es in einem kleinen Land wie dem unseren eine österreichweit einheitliche Regelung geben sollen“, sagt Krings.

„Jeder Tag, an dem geöffnet sein kann, zählt.“

Martina Krings, Hochalm

Das Argument, dass es sich bei der verspäteten Öffnung in Salzburg ja lediglich um ein paar Tage handle, ist leicht zu entkräften. Denn: „Nicht nur, dass den Hotels ganze Wochenbuchungen abhanden kommen und viele Gäste nun nach Tirol oder Vorarlberg ausweichen. Das Startdatum mit einem Freitag, also direkt vor dem Wochenende, ist für viele nach der langen Schließung ihrer Betriebe eine zusätzliche Herausforderung. Diesen Unternehmen fehlt die, für manche nun notwendige, Einarbeitungszeit der Mitarbeiter, die mit einem regulären Start am Sonntag leichter gegeben wäre“, wie Krings erläutert.

Ein Argument, das vor allem bei größeren Betrieben schlagend wird. „Diesbezüglich tue ich mir natürlich leicht, weil wir so ein kleiner sind“, meint etwa Herwig Fleissner, der die Achenrainhütte führt. Er sieht primär die prinzipielle Öffnungsmöglichkeit im Vordergrund und erklärt: „Hauptsache wir können endlich aufsperren!“

„Hauptsache wir können endlich aufsperren!“

Herwig Fleissner, Achenrainhütte

Fleissner gibt zu bedenken, dass ein Start am 12. Dezember für manch größere Betriebe eventuell eine logistische Herausforderung gewesen wäre. Denn der diesbezügliche Beschluss war ja erst am 8. Dezember, also lediglich vier Tage vor dem Lockdown-Ende in Österreich, verlautbart worden.

Bereits zehnter Versuch aufzusperren bei manchen Hotels in Obertauern

Hotellier Roland Kindl ist bereit aufzusperren und freut sich auf „Hotel Kristall“-Bilder wie diesem, vor der langen Lockdown-Zeit aufgenommenen, Foto.    Foto: Jakob Weinberger
Hotellier Roland Kindl ist bereit aufzusperren und freut sich auf „Hotel Kristall“-Impressionen wie auf diesem, vor der langen Lockdown-Zeit aufgenommenen, Bild. Foto: Jakob Weinberger

Bereit für das ehestmögliche Aufsperren gewesen wäre Roland Kindl vom Hotel Kristall. Immerhin hatte man im Vorfeld den 12. Dezember klar als Öffnungsdatum versprochen. Für ihn ist es deshalb absolut unverständlich, dass die westlichen Bundesländer als Tourismusregion nicht einheitlich und gemeinsam in den Skiwinter starten, aber: „Letztendlich sind wir einfach nur froh, nach mittlerweile zehn Anläufen, bei denen wir jedes Mal alle Vorbereitungen und Vorkehrungen getroffen haben und bereit zum Aufsperren waren, nun endlich ein verbindliches Öffnungsdatum zu haben“, wie er erklärt.

„Wir sind froh, nach mittlerweile zehn Anläufen endlich ein verbindliches Öffnungsdatum zu haben.“

Roland Kindl, Hotel Kristall

Die unterschiedlichen Öffnungsdaten in Österreich hätten auch bei seinen Gästen für große Verwirrung gesorgt. „Wir haben sowohl Glückwünsche zur bevorstehenden Öffnung am 12. Dezember, als auch betrübte Anrufe, dass der Skiurlaub ja in der Vorweihnachtswoche nun wieder nicht stattfinden könnte, erhalten und mussten erst erklären, dass wir den Regelungen der Salzburger Landesregierung unterliegen, und somit am 17. Dezember aufsperren können.“

Hotellerie als sicherer Bereich

Prinzipiell zu denken gibt Kindl der Umstand, dass die Handhabung in Österreich, Hotels hinsichtlich jeweiliger Corona-Maßnahmen immer als erster geschlossen, und als letzte wieder geöffnet werden. „Das ist ein enormer Imageschaden für unsere Branche“, betont Kindl und ergänzt: „Trotz zahlreicher, internationaler Studien renommierter Institute, die belegen, dass Hotels nicht nur sichere Orte sind, sondern sogar zu den unbedenklichsten und somit sichersten Bereichen hinsichtlich der Pandemie zählen, wird von der Schließungs-Praxis nicht abgerückt.“

Ein Umstand, den auch Alexandra Krings vom Hotel Das Seekarhaus nicht nachvollziehen kann. „Es ist diese nicht begründete Ungleichbehandlung, die einen wirklich verzweifeln lässt. Das kann ja nicht sein, dass solche Entscheidungen allein aus politischem Kalkül heraus getroffen werden, ohne pandemiespezifische Grundlage. Es kann mir niemand sagen, dass etwa eine kleine Umkleidekabine eines Bekleidungsgeschäftes, die man jetzt sehr wohl betreten darf, sicherer ist als ein Fünf-Sterne-Hotel, das über modernste Lüftungsanlagen verfügt und nach den höchsten Hygiene-und Sicherheitsvorschriften arbeitet“, meint Krings.

„Ich dachte eigentlich, das vergangene Jahr war schlimm. Aber heuer ist es wirklich zum Verzagen.“

Alexandra Krings, Hotel Das Seekarhaus

Sie ist mit ihrem Betrieb heuer besonders betroffen, zumal der diesjährige Saisonauftakt des Hotels genau mit der Ankündigung des Lockdowns zusammenfiel. „Ich dachte eigentlich, das vergangene Jahr war schlimm. Aber heuer ist es wirklich zum Verzagen“, erzählt Krings. Noch wenige Tage vor dem Aufsperren habe der Salzburger Landeshauptmann im Rahmen eines Zoom-Meetings mit dem TVB Obertauern versichert, dass es auf keinen Fall zu einer Schließung kommt. „Wir haben alles für die Hoteleröffnung eingekauft, alle Mitarbeiter waren vor Ort. So einen Betrieb sperrt man ja nicht von einem Tag zum anderen auf. Das ist mit erheblichem Aufwand verbunden“, erklärt Krings. Arbeit die man gerne mache, aber eben nicht umsonst.

Selbst Stammgäste weichen in andere Skidestinationen aus

Das nun für Salzburg vorgegebene, verspätete Lockdown-Ende für Gastronomie und Hotellerie trifft sie hart. „Wir waren für die kommende Woche gut gebucht. Jetzt hieß es erneut kurzfristig allen Gästen abzusagen“, erzählt Krings. Diese Gäste hätten jetzt großteils auf Tirol und Vorarlberg umgebucht. „Das verstehen wir auch, denn wer kann so kurzfristig erneut seinen Urlaub umplanen“, meint Krings. Vorangegangen waren auch im Hotel Das Seekarhaus zahlreiche Telefonate mit verunsicherten Gästen. „Natürlich kennen sich viele Gäste bei der geografischen Zuordnung der Skigebiete nach Bundesländern nicht aus. Und bei den zuzuordnenden, unterschiedlichen Regelungen schon gar nicht. Wie auch. Da verliert man ja selbst als Österreicher den Überblick“, meint Krings und ergänzt: „Ich würde die Verantwortlichen gerne einmal an unsere Rezeption einladen, damit sie sehen, wie es da nach so einer verwirrenden Maßnahmenverkündung zugeht, das kann sich natürlich niemand vorstellen“, erzählt Krings.

Später Tourismusstart in Salzburg als falsches Signal

Stark betroffen von der Situation seien auch die Mitarbeiter. „Unsere Leute wollen endlich wieder voll arbeiten“, sagt Krings. Zwar seien alle weiterhin angemeldet, aber auch hier musste selbstverständlich Saisonstarthilfe beantragt werden. Ein auch hinsichtlich des allgemeinen Mitarbeitermangels in der Tourismusbranche schwieriger Zustand. „Viele haben seit Beginn der Pandemie die Branche gewechselt. Manche auch in andere Länder“, weiß Krings.

Mit dieser erneuten Ungleichbehandlung von Handel und Gastronomie und den divergierenden Öffnungsschritten in Österreich werde nicht nur für Gäste, sondern auch für Tourismusmitarbeiter ein völlig falsches Signal gesendet. Die gesamte Branche weiterhin geschwächt.

Obertauern startet mit besten Pistenverhältnissen

Auch im Lockdown erlaubt: Liftbetrieb und Take-Away in Obertauern. Foto: TVB Obertauern
Auch im Lockdown erlaubt: Liftbetrieb und Take-Away in Obertauern. Foto: TVB Obertauern

Bis es am 17. Dezember so weit ist und auch Obertauern endlich in die langersehnte, hoffentlich wieder beinahe ganz normale, Wintersaison starten kann, können sich zumindest Tagesskifahrer auf perfekte Pistenverhältnisse und zahlreiche Take-Away-Angebote freuen.

Denn Obertauern bietet bereits jetzt wieder jede Menge gepflegter Pistenkilometer und macht seinem Ruf als „schneereichster Wintersportort Österreichs“ alle Ehre.

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