Obertauern Reise

Wintereinbruch: Schneemassen und Lawinengefahr in Obertauern

Extreme Schneemassen, Sturm, Straßensperre, hohe Lawinengefahr, der erste Skitourengeher-Tote und vorzeitiges Beenden der Sommersaison von Bergbahnen und einigen Betrieben: So wirkte sich der massive Wintereinbruch Mitte September in Obertauern aus.

Gleich vorweg: Der massive Wintereinbruch Mitte September 2024 in Obertauern ist alles andere als gewöhnlich, selbst für Österreichs schneereichsten Wintersportort. Zwar ist es nicht unüblich, dass in den Sommermonaten gelegentlich Schnee fällt, doch ein mehrtägiger Schneesturm mit enormen Schneemengen, wie er zwischen dem 12. und 16. September stattfand, ist selbst in der schneeverwöhnten Region selten.

In sozialen Medien häuften sich dennoch Kommentare wie „eh normal“ oder „für Obertauern nichts Besonderes“. Diese Einschätzungen spiegeln allerdings nicht die außergewöhnlichen Wetterbedingungen wider, die den Ort an seine Grenzen brachten.

Hohe Lawinengefahr in Obertauern

Obwohl sich die Wetterlage am 17. September beruhigte, bleibt die Situation angespannt. Die Lawinengefahr in der Region ist nach wie vor hoch. Bereits am ersten Tag nach dem Schneesturm kam es zu zahlreichen Grundlawinen-Abgängen, die die Gefährlichkeit der Lage verdeutlichen.

Nach dem tagelangen Schneesturm: Schneemassen und höhere Temperaturen sorgen für den Abgang zahlreicher Grundschneelawinen, wie man auch auf diesem, am 17. September 2024 aufgenommenen Bild gut erkennen kann.   Foto: Kitzenegger
Nach dem tagelangen Schneesturm: Schneemassen und höhere Temperaturen sorgen für den Abgang zahlreicher Grundschneelawinen, wie man auf diesem, am 17. September 2024 aufgenommenen Bild gut erkennen kann. Foto: Kitzenegger

Tourenskigeher sollten daher weiterhin auf Abfahrten rund um Obertauern verzichten. Leider kam diese Warnung für einen 54-jährigen Slowenen zu spät. Am 14. September brach er trotz extrem schlechten Wetters und schlechter Sicht zu einer Skitour auf. Nachdem er von seinen Freunden als vermisst gemeldet wurde, starteten 42 Bergretter aus Obertauern, Mauterndorf und Radstadt, unterstützt von der Alpinpolizei und einer Bergrettungshundestaffel, eine großangelegte Suchaktion. Da unklar war, wohin der Vermisste aufgebrochen war, mussten mehrere Bereiche, darunter das Zehnerkar, Gamsleiten und Seekareck, abgesucht werden. Am Seekareck entdeckten die Retter schließlich ein LVS-Signal und konnten den Verunglückten nur noch tot aus zwei Metern Tiefe bergen.

Vorzeitiges Saisonende in Obertauern

Die massiven Schneefälle und die anhaltende Lawinengefahr führten dazu, dass die Bergbahnen Obertauern die Sommersaison vorzeitig beendeten. Sowohl die Grünwaldkopfbahn als auch die Hochalmbahn stellten den Betrieb einige Tage früher als geplant ein. Auch die Hochalm musste ihre Pforten für diese Saison schließen.

Einige Betriebe hatten bereits vorsorglich ihre Saison beendet, als die Wetterwarnungen veröffentlicht wurden. Veranstaltungen wie das Peakini-Hoffest in Untertauern mussten aufgrund der extremen Wetterbedingungen ebenfalls abgesagt werden.

Glück im Unglück: Vergleich mit Hochwassergebieten

Trotz der Herausforderungen durch den unerwarteten Wintereinbruch kam Obertauern glimpflich davon, vor allem im Vergleich zu anderen Teilen Österreichs, die zur gleichen Zeit von schweren Hochwassern betroffen waren. In den betroffenen Gebieten waren die Menschen erleichtert, dass sie sich nicht zusätzlich mit den Schneemassen aus Obertauern auseinandersetzen mussten, die sonst die ohnehin hohen Pegelstände weiter erhöht hätten.

Straßensperre und Stromausfall: Nur kurze Beeinträchtigungen

Verkehrstechnisch bewältigte Obertauern die Schneemengen relativ gut. Lediglich einmal war der Ort vom späten Nachmittag bis zum nächsten Tag um 14 Uhr von der Außenwelt abgeschnitten. Ansonsten konnte der Verkehr mit Schneeketten weitgehend aufrechterhalten werden.

Auch bei der Stromversorgung kam Obertauern glimpflich davon. Nur ein kurzer Stromausfall von einer Stunde ließ Gäste und Bewohner für eine Weile im Dunkeln sitzen, bevor die Versorgung wiederhergestellt werden konnte.

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