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Covid-19-Krise: Phasen der Trennung vom gewohnten Leben

Was Covid-19 und ein Liebes-Aus gemeinsam haben? Viel. Beide Krisen gilt es auch seelisch zu verarbeiten. Hier die verschiedenen Phasen zur Bewältigung:

Was Covid-19 und ein Liebes-Aus gemeinsam haben? Viel. Beide Krisen gilt es auch seelisch zu verarbeiten. Hier die verschiedenen Phasen zur Bewältigung:

Das gewohnte Leben hat sich von uns verabschiedet. Einfach so, über Nacht. Ohne vieler Abschiedsworte. Plötzlich war es weg. Was bleibt, sind Ratlosigkeit, Unsicherheit und Menschen, die sich mit einer Situation ähnlich eines überraschenden Liebesaus konfrontiert sehen. Menschen, die neben einer großen Ungewissheit, auch Trauer, Angst, Schmerz und Wut spüren. In eine Krise stürzen. Sei es persönlich oder wirtschaftlich. Eine Krise, die es, wie auch immer gelagert, zu verarbeiten heißt. Gleich einem Liebes-Aus, gilt es zur Bewältigung verschieden Phasen zu durchlaufen.

Covid-19 hat unsere Welt quasi über Nacht auf den Kopf gestellt. Das Leben, so wie wir es bis jetzt kannten, scheint vorbei. Das Virus hat uns, gleich einer Geliebten, eines Geliebten, den Lebenspartner, oder in diesem Falle, den geliebten Partner Lebensfreude, genommen.

Ungläubig stehen wir plötzlich vor einer völlig neuen Situation. Eine Situation, die sich in nie da gewesener Dimension präsentiert. Mit aller Wucht hat sich das Virus in unser aller Leben gedrängt, um es wahrscheinlich unwiderruflich zu verändern.

Dass es damit allen gleich geht, die Menschen nur in zeitlich unterschiedlichen Phasen davon betroffen werden, ist – wenn überhaupt – ein mehr als schwacher Trost.

Konfrontiert wird damit jeder von uns werden. Den einzigen Unterschied macht der individuelle Umgang mit der Situation. Plattitüden, wie „Wenn Dir das Leben Zitronen gibt, mach Zitronenlimonade daraus“, werden nicht weiterhelfen. Dafür ist die Thematik zu komplex. Natürlich gilt es, sich so rasch wie möglich auf die neuen Gegebenheiten einzustellen – und sei dies in der jetzigen Zeit, in der keiner weiß, was wirklich kommt, nur, dass sich alles ändern wird. Aber das braucht Zeit.

Jetzt gilt auch, dass man schon ein wenig nachsichtig mit sich selber sein darf. Sich einzugestehen, dass man die Veränderung nicht von einem Tag auf den anderen begreifen kann. Gefühle wie Angst und Trauer völlig normal sind. Dass sich der innere Wandel hin zur Akzeptanz und des damit umgehen Könnens gleich wie beim Verlust eines Partners in verschiedenen Phasen vollziehen wird.

Die Phasen einer Trennung – der schmerzhafte Abschied vom gewohnten Leben

Selten trifft einen im Leben etwas so hart, wie Abschied zu nehmen. Sei es von jemandem, dessen Leben zu Ende geht, bei einem Liebes-Aus oder – wie zur Zeit – bei der Verabschiedung der bislang gewohnte Art zu leben.

Forscher gehen davon aus, dass man nach Trennungen verschiedene Phasen durchlebt. Phasen, die durch unterschiedliche Emotionen und Intensität derselben geprägt sind. Je nach Ansatz ist von vier oder fünf, vereinzelt auch von sechs, unterschiedlichen Phasen die Rede.

Nachvollziehbar für die Corona-Virus-Zeit scheint das Fünf-Phasen-Modell der Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross. 1969 ursprünglich entwickelt, um zu beschreiben, welche emotionalen Stadien ein Mensch vor seinem Tode durchlebt, hielt es vor allem im englischen Sprachraum Einzug und wird mittlerweile für den allgemeinen Umgang mit Abschieden herangezogen [vgl. Beitrag in der Welt].

Kübler-Ross geht von folgenden Zeiträumen aus:

Die Phasen können von Mensch zu Mensch variieren, unterschiedlich lange andauern und sich in ihrer Intensität unterscheiden. Man denke nur an jene Überlebenskünstler, die es immer schaffen, sich binnen kürzester Zeit auf neue Umstände einstellen. Die auch nach diversen Schicksalsschlägen rasch wieder aufstehen, sich kurz „abbeuteln“ und unbeirrt weitergehen, als sei nichts gewesen. Ob dahinter Oberflächlichkeit, Egoismus oder unbezwingbarer Optimismus steht, sei dahingestellt.

Fakt ist, mehr oder weniger rasch durchlaufen werden diese Phasen fast alle.

Davon zu wissen, macht es eventuell leichter, sein eigenes, emotionales Chaos zu bewältigen oder zumindest zu verstehen. Vielleicht hilft es dem einen oder anderen, besser auf sich selbst zu achten. Unterstützt bei dem Versuch, sich nicht im Kreise zu drehen, indem man immer wieder die gleiche Phase durchläuft. Ebnet den Weg dafür, auch wenn es schwer ist, die Dinge doch anzunehmen, wie sie nun einmal sind.

Manchen hilft es vielleicht dabei, seine Mitmenschen besser verstehen zu können. Denn wie gesagt, auch wenn alle im selben Boot sitzen, erleben die Menschen diese Krise auf unterschiedlichste Weise, sind eventuell bei der Bewältigung bereits eine Phase weiter oder auch hinter einem. Leben verschiedene Phasen mit unterschiedlicher Intensität aus. Sind von Arbeitslosigkeit direkt betroffen, leiden verstärkt unter sozialer Isolation oder den so eingeschränkten Sport- und Kulturangeboten.

Zum besseren Verständnis die Charakteristiken der einzelnen Phasen im Detail und wie man eventuell leichter damit umgehen kann.

Phase I: Schock und Verleugnung – Covid-19 ist ja gar nicht so schlimm

„Phase I“ ist geprägt von Schock und Nicht-Wahrhaben-wollen. Man kann einfach nicht glauben, dass das alles Wirklichkeit sein soll. In dieser Phase klammern sich die Menschen an jeden noch so kleinen Hinweis, dass es eventuell gar nicht wahr ist. Covid-19 ist eventuell eine lokale Epidemie, mit der man vor Ort jedoch nichts zu tun hat. Die Menschen feiern weiter, als sei nichts geschehen. Haben – wie bei der aktuellen Krise geschehen –weiterhin ausgelassen Spaß beim Après Ski und wollen ihr Verhalten nicht ändern.

Covid-19-Krise: Gähnende Leere in Salzburgs Touristenmagnet Getreidegasse an einem Wochentag im März 2020. An solche Bilder muss man sich erst einmal gewöhnen.

Andere wiederum fühlen sich ohnmächtig, weil man nichts machen kann. Es ist die Zeit, in der man morgens aufwacht und es einem immer wieder wie Schuppen vor die Augen fällt: „Ach ja, es ist ja nicht mehr so wie gewohnt.“

Das kann helfen:

Phase II: Zorn und Wut – „Covid-19 hat alles zerstört!“

Phase II ist geprägt von Zorn und Wut. Man hat verstanden, dass Covid-19 Realität ist und ist vor allem eines: wütend. Wütend auf sich und die Welt. „Warum passiert das gerade mir, beziehungsweise uns?“, fragen sich die Menschen zornig. Es ist eine Zeit, in der oft auch verzweifelt Schuldige gesucht werden.

Vielen zieht es in dieser Phase wahrlich den Boden unter den Füßen weg. Sie fühlen sich nicht nur den Umständen, sondern auch dem eigenen Gefühlschaos ausgeliefert. Leben ihr Gefühl der Verzweiflung in Wut und Zorn aus.

Das kann helfen:

Phase III: Verhandeln – „Man könnte trotz Covid-19-Krise zumindest normal weiterleben.“

In Phase III versucht man einen Weg aus der Krise zu finden. Diese Zeit ist oft eng umwoben mit der Verleugnungs-Phase. Viele machen jedoch immer wieder einen Schritt zurück.

Es wird ein Weg gesucht, um das Unausweichliche noch irgendwie verhindern zu können, kämpft sozusagen gegen Windmühlen. Gleichzeitig beginnt man zu verhandeln. Man versucht das „alte Leben“ zurückzubekommen, geht auf Kompromisse ein. „Besser ein Shoppen mit Mundschutz, als gar kein Einkaufserlebnis“, lautet für viele die Devise.

Das kann helfen:

Sieht man irgendwann ein, dass alles nichts nützt, werden viele von einer großen Traurigkeit erfasst. Damit ist man in Phase IV.

Phase IV: Depression – „Ein Leben in der Covid-19-Zeit ist einfach nur traurig!“

Man hat aufgegeben. Realisiert, dass der bisher gewohnte Lebensstil, wenn überhaupt, erst nach sehr, sehr langer zeit wider möglich ist. Denkt, das niemals überwinden zu können und verfällt in eine wie auch immer geartete Depression. Meist keine leichte Aufgabe, aus diesem emotionalen Tief wieder herauszukommen.

Das kann helfen:

Phase V: Akzeptanz – „Ok, dann müssen wir mit Covid-19 halt leben!“

In dieser Phase findet man sich damit ab, dass die Dinge nun mal so sind wie sie sind. Die Veränderung wird akzeptiert, man fängt an, wieder nach vorne zu blicken. Akzeptiert, voraussichtlich „den Gürtel enger schnallen zu müssen“ und versucht sich auf die kommenden Dinge einzulassen.

Zeit, sich für das neue Leben, wie auch immer es aussehen wird, zu öffnen und Chancen zu ergreifen.

Das kann in dieser Phase helfen:

 

Nun, in welcher Phase befindest Du Dich? Was sind Deine Strategien im Umgang mit der Krise? Schreib es gerne als Kommentar!

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