Obertauern

Richtiges Verhalten auf der Skipiste – die FIS-Regeln

Was im Straßenverkehr eine Selbstverständlichkeit ist, wird im Wintersport oftmals vernachlässigt: Das richtige Verhalten auf der Skipiste.

Auch auf den Skipisten ist das Miteinander klar geregelt. Ein Fakt, der allerdings oft vergessen wird. Grund genug, hier nochmals auf die allgemeingültigen Pistenregeln, Pistensperren und Pflichten für Wintersportler einzugehen. 

Als kleine Gedankenbrücke und Hilfestellung schon vorab: Im Prinzip „fährt man“ damit richtig, wenn man an Verkehrsregelungen denkt. Sich also zum Beispiel das Verhalten und die dazugehörige Logik beim Befahren einer Autobahn vor Augen führt. 

Denn so weit liegen Verhaltensgebote, Rechte und Pflichten gar nicht voneinander entfernt. Selbstredend, dass man dieses „kleine Skifahrer-Einmaleins“, wie man es auch für den Straßenverkehr üblicherweise macht, auch seinen Kindern nahebringt.

Zudem dient das Wissen um das Verhalten auf Skipisten auch dem Selbstschutz. Denn abgesehen davon, dass gewisse Regeln helfen, etwaige Unfälle zu vermeiden. Sie dienen auch dazu, der neuen, allgegenwärtigen „Ich nehme mir einen Anwalt und klage“-Mentalität nicht blind ausgeliefert zu sein.

Wer nämlich unter Verstoß der Pistenregeln einen Unfall verursacht, kann – und wird es mittlerweile auch immer öfter – in Folge zivil- und strafrechtlich belangt werden.

Richtiges Verhalten auf der Skipiste:  Keine Hexerei

Wie bereits erwähnt: Eigentlich ist das richtige Verhalten auf Skipisten keine große Hexerei. Im Grunde geht es um

  • die Einhaltung der zehn FIS [Fédération Internationale de Ski]-Pistenregeln,
  • der Beachtung von Pistensperren,
  • dem Wissen um die Helmpflicht und
  • dem Umgang mit Pistengeräten. 
Richtiges Verhalten auf der Skipiste: Die zehn FIS-Regeln als Anleitung für richtiges Verhalten auf der Skipiste.     Foto: TVB Obertauern

Die zehn FIS Pistenregeln

Pistenregel Nr. 1: Rücksicht nehmen

Alle Skipistennutzer sind angewiesen, aufeinander Rücksicht zu nehmen und sich so zu verhalten, dass niemand gefährdet oder geschädigt wird.

Pistenregel Nr. 2: Fahrweise und Geschwindigkeit anpassen

Jeder Wintersportler muss seine Fahrweise den jeweiligen Gegebenheiten anpassen. So muss „auf Sicht“ gefahren werden und Geschwindigkeit und Fahrweise an Eigenkönnen, Witterungs- Gelände und Schneeverhältnisse angepasst sein.

Pistenregel Nr. 3: Dem vorderen Fahrer Vorrang geben

Von hinten kommende Ski- oder Snowboardfahrer müssen auf die vorne fahrenden Wintersportler Rücksicht nehmen. Die Fahrspur ist so zu wählen, dass andere Personen nicht gefährdet werden.

Pistenregel Nr. 4: Überholen nur mit ausreichendem Abstand

Überholt werden darf natürlich. Allerdings immer nur mit ausreichend Abstand zu dem jeweiligen, langsameren Pistenteilnehmer. Hier ist besondere Vorsicht bei Kindern geboten. Sie wechseln oft scheinbar grundlos plötzlich die Richtung, was ein rechtzeitiges Ausweichen erschwert.

Pistenregel Nr. 5: Leute, die in eine Piste ein- auf oder anfahren, haben Nachrang

Fährt man in eine Piste ein, nach einem halt wieder weiter, oder – wie beim Carven zum Beispiel – aufwärts schwingt, muss sich vorab vergewissern, ob dies auch gefahrlos und ohne andere Personen dabei zu behindern, möglich ist. Dies gilt auch beim Überqueren einer Abfahrt. 

Pistenregel Nr. 6: Nicht an unübersichtlichen Stellen stehen bleiben

Alle Personen müssen es vermeiden, sich ohne akute Notsituation an unübersichtlichen oder engen Pistenabschnitten aufzuhalten. Gestürzte Skifahrer oder Snowboarder müssen solche Gefahrenstellen so rasch wie möglich verlassen.

Pistenregel Nr. 7: Auf- oder Abstieg nur am Pistenrand

Fuß- und Tourenskigeher dürfen beim Aufstieg nur den Rand einer Piste benutzen. Dasselbe gilt aber auch für Personen, die ohne angeschnallte Wintersportgeräte absteigen.

Pistenregel Nr. 8: Hinweistafeln beachten

Pistenbenutzer sind verpflichtet, die Markierungen und Hinweis-, Gefahren- und Sperrtafeln zu beachten.

Pistenregel Nr. 9: Hilfe leisten

Eigentlich ja eine Selbstverständlichkeit, dass man Menschen in schwierigen Situationen hilft. Dennoch ist es ein eigener Punkt bei den FIS-Pistenregeln. 

Richtiges Verhalten bei einem Skiunfall:

  • 1. Unfallstelle absichern: Eine Unfallstelle wird üblicherweise mit zwei überkreuzten Skiern kenntlich gemacht. Die Skier werden ca. zehn Meter oberhalb der Unfallstelle überkreuzt in den Schnee gesteckt, um Folgeunfälle zu vermeiden. Ist der Unfall an einer unübersichtlichen Stelle passiert, erfolgt die Kennzeichnung dementsprechend weiter oben.
  • 2. Bewusstsein und Atmung überprüfen
  • 3. Hilfe organisieren: Je nach Schwere der Verletzung entweder direkt den Notruf wählen oder vorbeifahrende Skifahrer bitten, an der nächsten Talstation Bescheid zu geben. 
  • 4. Gegebenenfalls lebenserhaltende Maßnahmen starten
  • 5. Verletzten in stabile Seitenlage bringen
  • 6. Verletzungen erstversorgen
  • 7. Vorbereitung für das Eintreffen der Retter treffen

Notfallnummern in Österreich

Sollte es zu einem Unfall kommen, ist es hilfreich, folgende Notrufnummern parat zu haben:
Alpiner Notruf: 112
Bergrettung: 140
Rettung: 144

Pistenregel Nr. 10: Der Ausweispflicht nachkommen

Alle Pistenbenützer sind – unabhängig davon, ob als Beteiligter oder Zeuge in einen Unfall involviert – zur Bekanntgabe ihrer Personalien verpflichtet.

Kinder- und Teens-Video für richtiges Verhalten auf der Piste:

Auf dem YouTube-Kanal von Wispowo [der Servicestelle Wintersportwochen] gibt es ein eigenes, charmant für Teens gemachtes Video zu den zehn Pistenregeln:


Helmpflicht für Kinder

Obwohl man ohnehin kaum jemanden mehr ohne Helm auf der Skipiste sieht: Für Kinder ist im Land Salzburg [sowie in den österreichischen Bundesländern Oberösterreich, Steiermark, Niederösterreich, Kärnten, Burgenland und Wien] das Tragen eines Helmes bis zu einem Alter von 15 gesetzlich vorgeschrieben.

In Tirol und Vorarlberg besteht derzeit keine gesetzliche Regelung. Zumindest hat Vorarlberg eine öffentliche Empfehlung für das Tragen eines Helmes ausgesprochen.

Auch wenn das Tragen eines Helmes gesetzlich nicht kontrolliert wird. Im Fall des [Hin]-Falle[n]s könnte es bei einem Verstoß gegen die Helmpflicht jedoch zu Problemen mit der Versicherung kommen.

Beim Helmkauf sollte man darauf achten, dass der Helm auch perfekt passt. Also weder verrutscht noch drückt. Als Hilfe kann man testen, ob der mit offenem Kinnband getragene Helm auch beim festen Kopfschütteln sitzt.

Tipp: Helm nach schweren Stürzen austauschen
Spätestens nach einem schweren Sturz oder Unfall sollte der Helm unbedingt ausgetauscht werden. 

Richtiges Verhalten auf der Skipiste

Pistensperren befolgen

Pistensperren sind auf alle Fälle immer zu beachten. Ohne „wenn und aber“ … Denn so werden etwa in der Nacht manche, steilere Pisten mit Hilfe von Seilwindenpräparierung für den kommenden Skitag vorbereitet.

Im Zuge dieser Windenpräparierung besteht für abfahrende Skifahrer und Snowboarder höchste Gefahr. Denn selbst, wenn man das Glück hat, die Seile in der Dunkelheit zu sehen, ist man wohl zumindest nicht auf das teils ruckartig in die Höhe oder auch seitliche Ausschwingen des Seils vorbereitet. Selbstredend, dass es hierbei zu lebensgefährlichen Verletzungen kommen kann. 

In Obertauern etwa [nähere Informationen zum Wintersportort Obertauern findet man unter Fragen und Antworten zum Skiurlaub in Obertauern, allgemeine Beiträge unter der Kategorie Obertauern] gilt auf den meisten Pisten eine nächtliche Sperre von 17 Uhr bis 8 Uhr. 

Hinweise von Liftbetreibern und Lawinenwarndiensten beachten

Besondere Vorsicht ist beim Verlassen der gesicherten Pisten geboten. Auch wenn gewisse Tiefschnee- – oder im Frühjahr – Firnhänge noch so verlockend wirken, eventuell bereits Spuren zu sehen sind oder Videos vom Befahren derselben bereits auf den Social Media-Netzwerken verbreitet sind, sollte man sich etwaiger Lawinengefahr stets bewusst sein.

Erste Hinweise auf die aktuelle Lawinensituation sowie hilfreiche Tipps rund um das Fahren im Gelände erhält man beim Lawinenwarndienst Österreich, beziehungsweise regional für das Land Salzburg beim Lawinenwarndienst Salzburg.

[Dieser Beitrag erschien ursprünglich im März 2019]

5 Kommentare

  1. Danke für diesen Artikel. Ich hoffe, dass ihn viele Leute lesen. Es passiert einfach zu viel auf unseren Pisten und es wäre bestimmt weniger, wenn sich alle an gewisse Regeln halten würden!

  2. Danke für diesen wichtigen Beitrag! So ziemlich alles sollte eigentlich auch ganz klar sein, aber Erinnerung schadet ja nie.

    Mir hat mein Helm beim Skifahren übrigens mal sehr wahrscheinlich das Leben gerettet (oder zumindest wären die Schäden viel massiver gewesen, und wer weiß , ob ich diese Zeilen noch schreiben könnt)

    Also mein Appell an alle: Helm auf!

    Gruß und Kuss
    Piuslucius

  3. Danke für diese Regeln! Manche Fahrer achten leider gar nicht darauf und auch ich wurde deswegen leider schon zusammengefahren… Wirklich toll, dass du das mal aufschreibst <3
    Liebe Grüße,
    Saskia

  4. Ich war noch nie Skifahren. Das liegt daran, dass alle, die ich kenne, nur von ihren Unfällen berichten und ich auch meine Freundinnen früher nur mit Knochenbrüchen nach dem Ski-Urlaub beobachten konnte. Dabei soll es so einen Spaß machen, sogar die Kleinsten fahren schon Ski. Diese Unfälle passieren halt, wenn sich keiner oder nur wenige an die Regeln halten. Toll, dass Du sie hier mal alle aufgeführt hast, mir war nicht bewusst, wieviele es gibt.

    Lieben Gruß, Bea.

  5. Diesen Text sollten alle Wintersportler lesen! Danke für die Übersicht. Viel ist eigentlich logisch, aber man sieht auf den Pisten ja immer wieder, dass es manchen offenbar egal ist…

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