Obertauern

Martina Krings über den Hochalm-Umbau und den Winter 2019/20

Es hätte ein ganz besonderer Skiwinter werden sollen. Ein Obertauern-Winter, gestartet mit der großen Freude über die Fertigstellung des Umbaus der Hochalm. Mit gewohnt viel Spaß und noch mehr guter Laune. Besonders wurde er auch – aber, wie so oft im Leben – anders als gedacht. Martina Krings über persönliche Schicksalsschläge, dem Umbau der Hochalm und wie sie es schafft, trotz allem immer guter Dinge in die Zukunft zu blicken.

„Die Saison 2019/20 wird uns wohl ewig in Erinnerung bleiben. Zwar anders als gedacht, aber so ist es ja nun mal im Leben“, erzählt Martina Krings, die gemeinsam mit ihrer Schwester Christiane Perner-Krings die Hochalm in Obertauern führt.

Martina Krings von der Hochalm in Obertauern
Martina Krings führt gemeinsam mit ihrer Schwester Christiane Perner-Krings die Hochalm in Obertauern.   Foto: Privat

Der Skiwinter 2019/20 war eigentlich eine ganz besonders sorgfältig und von langer Hand geplante Saison. War man doch bereits im Vorwinter neben dem laufenden Tagesgeschäft damit beschäftigt, den bevorstehenden Um- und Ausbau der Hochalm mit viel Liebe zum Detail zu planen.

„Das war schon eine große Herausforderung“, erzählt Krings und erklärt: „Christiane und ich sind ja nicht nur im administrativen Bereich tätig. Vielmehr sind wir tagsüber auch im operativen Geschäft stets präsent. Christiane im Marktrestaurant und im Küchenbereich, ich im Bar- und Terrassenbereich. Das macht natürlich Spaß, ist aber auch mit sehr viel Arbeit verbunden. Nach Ende des Tagesgeschäfts ist da für uns noch nicht Schluss.“ Vielmehr beginnt dann der ebenfalls arbeitsintensive Aufgabenbereich des organisatorischen Teils.

„Es ist nicht so, dass wir im Winter so viel freie Zeit zur Verfügung haben. Umso herausfordernder war es, zusätzlich auch den großen Um- und Zubau zu planen“, meint Krings. Die beiden Schwestern ent- und verwarfen zahlreiche Ideen, besprachen immer wieder ihre Vorstellungen. Von Beginn an war klar: Man wollte auch weiterhin bei der in der Hochalm so konsequent umgesetzten „Lederhosenarchitektur“, wie Krings es bodenständig nennt, bleiben. Diese solle auch beim Um- und Zubau, verbunden mit höchstem Komfort, hochwertigsten Materialien und modernster Technik eingesetzt werden.

„Die Hochalm befindet sich auf 2000 Meter, inmitten herrlicher Berglandschaft und atemberaubender Natur. Dem wollten wir Respekt zollen, indem wir nicht nur auf regionstypische Architektur, sondern auch auf die hier traditionell eingesetzten Materialen setzen. So kamen, wie bereits beim ursprünglichen Bau der Hochalm, auch jetzt wieder nur echtes Altholz und unser heimisches Gestein zum Einsatz “, erklärt Krings.

Hochalm-Um- und Ausbau 2019

Gebaut wurde, getrennt durch den Sommerbetrieb, in zwei Phasen. „Es war eine wahre Herausforderung. Durch den, gelinde ausgedrückt, schneereichen Winter 2019 gestaltete sich bereits der Start des Umbaus sehr mühsam. Unsere Mitarbeiter waren tagelang allein damit beschäftigt, die Straße auf die Hochalm vom meterhohen Schnee zu befreien, damit überhaupt jemand auf die Baustelle kommen konnte.“ Zudem schien der Winter kein Ende nehmen zu wollen. Bis Ende Mai hat es in Obertauern immer wieder und teils sogar richtig heftig geschneit. Der Ort machte seinem Ruf, das schneesicherste Skigebiet Österreichs zu sein, alle Ehre.

Tagelang waren die Mitarbeiter der Bergbahnen Krings im Frühjahr 2019 damit beschäftigt, den Weg zur Hochalm vom meterhohen Schnee zu räumen. Foto: Bergbahnen Krings
Tagelang waren die Mitarbeiter der Bergbahnen Krings im Frühjahr 2019 damit beschäftigt, den Weg zur Hochalm vom meterhohen Schnee zu räumen.    Foto: Bergbahnen Krings

Hochalm Um- und Zubau Phase I

In der 1. Bauphase wurden die Terrasse unterkellert und vergrößert, neue Mitarbeiterräume geschaffen und größere Lager- und Kühlräume gebaut. Dies alles musste bis zum Beginn der Sommersaison, Anfang Juli, fertiggestellt sein.

„Viele haben uns damals gefragt, warum wir im Sommer 2019 die Hochalm nicht einfach einmal zulassen“, erzählt Krings und erläutert: „Aber das stand außer Frage. Denn so eine Sommersaison baut man sich ja nicht in einem oder zwei Jahren auf. Das dauert. Mittlerweile haben wir es jedoch geschafft, dass auch im Sommer viele Gäste auf die Hochalm kommen. Zudem beschäftigen wir auch in dieser Saison neun Mitarbeiter auf der Hochalm. Die kann man nicht einfach mal einen Sommer lang nach Hause schicken. Da hat man ja auch eine soziale Verantwortung.“

Die Hochalm im Frühjahr 2019: Beim Um- und Zubau wurde – unter anderem – die Terrasse unterkellert. Foto: Privat
Die Hochalm im Frühjahr 2019: Beim Um- und Zubau wurde – unter anderem – die Terrasse unterkellert. Foto: Privat

Auch wenn es durch den schneebedingt verzögerten Baustart zeitlich eng war, schaffte man es mit vereinten Kräften und viel Arbeit rechtzeitig zum Start der Sommersaison mit der ersten Bauphase fertig zu werden. „Ich erinnere mich noch gut an das Hochalm-Stammgästetreffen. An der Bar saßen am ersten Tag der immer auf drei Tage angelegten und gut besuchten Veranstaltung bereits die ersten Gäste, während die Arbeiter noch beherzt in einer Extraschicht und mit lautem Hämmern die letzten Dielen der Terrasse fertigstellten. Aber es war wie immer im Leben: Wenn Du etwas wirklich schaffen willst, dann schaffst Du es auch!“

So wurde die Sommersaison 2019 trotz – wenn auch eingeschränkten – Arbeiten auf der Baustelle und zeitlicher Verkürzung (normalerweise ist die Hochalm bis Ende, statt, wie im Jahr 2019, Anfang September in Betrieb) zum Erfolg.

Das Hochalm-Team im September 2019. Trotz laufender Umbauarbeiten konnte man auf einen erfolgreichen Obertauern-Sommer zurückblicken. Foto: Privat
Das Hochalm-Team im September 2019. Trotz laufender Umbauarbeiten konnte man auf einen erfolgreichen Obertauern-Sommer zurückblicken.  Foto: Privat

Hochalm-Umbau-Phase II

Nach der Sommersaison, in der zweiten Bauphase, wurden

  • die neue Außen-Bar errichtet,
  • der Barbereich innen vergrößert,
  • der Küchenbereich erweitert und mit großzügigen Tageslichtquellen bereichert,
  • ein neuer Büroraum errichtet,
  • die Terrasse fertiggestellt und mit einem Glasgeländer versehen,
  • die neueste Kühl- und Schanktechnik eingebaut,
  • ein modernstes Kassensystem installiert,
  • eigens für die Hochalm angefertigte Weinschränke montiert,
  • ein Brunnen im Eingangsbereich platziert,
  • und sowohl das Restaurant
  • als auch der Bereich des Marktrestaurants einem „Facelifting“ unterzogen.

„Das war natürlich enorm viel Arbeit. Eine der zahlreichen, großen Herausforderungen hierbei war, die neuen Bereiche harmonisch in den Bestand einzugliedern. Etwas, das uns sehr gut gelungen scheint. Denn die meisten Gäste merken zwar, dass da jetzt irgendetwas anders ist, können auf den ersten Blick aber gar nicht sagen, was genau nun vorher an dessen Stelle war“, erläutert Krings.

Mit viel Liebe zum Detail wurde der Um- und Zubau der Hochalm durchgeführt. Im Bild: Der neue Eingangsbereich. Foto: Kitzenegger
Mit viel Liebe zum Detail wurde der Um- und Zubau der Hochalm durchgeführt. Im Bild: Der neu gestaltete Eingangsbereich. Foto: Kitzenegger

Begonnen wurde mit diesem Teil der Arbeiten im September. Es war jene Zeit, in der zwar mehr als viel zu tun war, aber alles wie geplant lief. Glaubte man zumindest.

Schicksalsschlag am 1. Oktober 2019

Fest eingebunden in die Um- und Zubau-Arbeiten war natürlich die ganze Familie. So auch Wolfgang Perner, ehemaliger Biathlet, Olympiamedaillengewinner und Ehemann von Christiane Perner-Krings. „Wolfgang arbeitete trotz seiner langjährigen Krankheit in der Hochalm mit. Es schien ihm zu jener Zeit den Umständen entsprechend gut zu gehen“, blickt Krings zurück.

„Den Umständen entsprechend“, denn bereits 2008 erhielt Perner die niederschmetternde Diagnose Krebs. Seitdem kämpfte er gegen die heimtückische Krankheit. Es waren Jahre voller Hoffen und Bangen, mit vielen Tiefs und wenigen Hochs. Kaum schien es ihm einige Zeit lang besser zu gehen, kam wieder einer der zahlreichen Rückschläge. Perner rappelte sich mit schier unglaublicher Energie und Tapferkeit immer wieder hoch. Arbeitete, sobald es gesundheitlich irgendwie ging, fleißig weiter. Von zahlreichen Krankenhausaufenthalten kämpfte er sich immer wieder in sein „normales“ Leben zurück.

So hofften auch bei seinem gesundheitlichen Rückfall im September 2019 alle auf baldige Genesung. Doch es sollte anders kommen. „Am Morgen des 1. Oktober klang Wolfgang bei einem Telefonat mit Christiane sehr zuversichtlich. Wir schöpften Hoffnung, dass er das Krankenhaus bald wieder verlassen kann“, erzählt Krings. Doch noch am gleichen Tag erhielt man den Anruf. Man möge bitte sofort kommen, sein Zustand habe sich plötzlich rapide verschlechtert. Noch am selben Abend, am 1. Oktobers 2019, verstarb Wolfgang Perner.

„Wir standen natürlich alle unter großem Schock. Aber ich bin heute noch so dankbar, dass wir zumindest die Gelegenheit bekamen, uns im Krankenhaus persönlich von ihm verabschieden zu können“, erklärt Krings.

Ein Bild aus glücklichen Tagen: Christiane und Wolfgang auf der Hochalm-Baustelle Ende Juni 2019. Foto: Privat
Ein Bild aus glücklichen Tagen: Christiane und Wolfgang auf der Hochalm-Baustelle Ende Juni 2019.   Foto: Privat 

Zeit für Trauer blieb nicht viel. Sind die Tage nach dem Tode eines geliebten Menschen vor allem durch die Organisation von Begräbnis und Behördengängen geprägt, warteten in den Wochen darauf die Baustelle und die nötigen Vorbereitungen für die bevorstehende Wintersaison am Berg. „Ich war wie in Trance. Wusste, ich muss funktionieren und weitermachen. Trotz der tragischen Umstände und dem Schmerz“, erzählt Krings.

Arbeitsintensiver Herbst vor dem Start in den Hochalm-Winter

Es folgten mehr als arbeitsintensive Wochen. Galt es doch nicht nur den Umbau der Hochalm fertigzustellen, sondern zudem die anstehende Wintersaison vorzubereiten. Dies ist bereits unter „normalen“ Umständen eine herausfordernde Zeit. Doch diesmal kam hinzu, dass die Eindeckung für den Winter auch nicht nach gewohnter Routine ablief.

„Wir bekommen im Herbst alljährlich zig LKW-Ladungen mit Getränken, Nahrungsmittel, Putz- und Reinigungsmittel und dergleichen. All jene Dinge, die über ein längeres Haltbarkeitsdatum verfügen, werden bereits im Herbst auf die Hochalm transportiert. Im Winter haben wir ja keine Zufahrtsstraße. Da muss täglich alles mit Pistengeräten und Skidoos geliefert werden. Deswegen erledigen wir diesbezüglich so viel wie irgend möglich bereits in der schneefreien Zeit. Eigentlich läuft das ja nach all den Jahren routinemäßig. Aber durch die neuen Kühl- und Lagerräume mussten wir diesmal auch das komplette, bewährte Lagerungssystem umstellen und neu organisieren“, erläutert Krings.

Zu all diesen Arbeiten kommen im Herbst noch Vorstellungsgespräche mit neuen Mitarbeitern. Die Hochalm beschäftigt im Winter 34 Personen. „Freilich haben wir das Glück, eine große Stammmannschaft zu haben. 25 Leute arbeiten schon jahrelang bei uns, gelten als Fixstarter. Darüber sind wir nicht nur sehr dankbar, sondern schon auch stolz. Aber einen gewissen Wechsel gibt es in jedem Betrieb, so auch bei uns. Und da braucht es im Herbst neben großem Fingerspitzengefühl, jene Leute auszuwählen, die auch zum Team passen, teilweise viel Geduld und gute Nerven“, erzählt Krings.

Der Hochalm-Winter 2019/20

Nerven, die auch beim Saisonstart am 22. November 2019 noch ordentlich strapaziert wurden. Denn, wie bei fast jeder Baustelle, war es auch auf der Hochalm so, dass die ersten Gäste bei der Haustür hereinkamen, während die letzten Handwerker im Hintergrund noch fleißig arbeiteten. „Zu Saisonbeginn war wirklich jeder Tag ein großer Nervenkitzel. Geht die Schankanlage eh, funktioniert das Kassensystem … waren nur wenige meiner ersten Sorgen in der Früh beim Aufwachen. Es ist normal, dass nicht alles von Beginn an reibungslos funktionieren kann. Aber zu diesem Zeitpunkt sind meine Nerven schon ab und an endgültig blank gelegen“, erinnert sich Krings.

Pünktlich zu Saisonstart 2019/20, am 22. November 2019, fertiggestellt: Der Um- und Zubau der Hochalm. Foto: Privat
Pünktlich zu Saisonstart 2019/20, am 22. November 2019, fertiggestellt: Der Um- und Zubau der Hochalm. Foto: Privat

Nach zahlreichen, großen und kleinen Anfangsschwierigkeiten spielte sich aber alles ein. Die für alle herausfordernden, weil beim Gästeandrang sozusagen „von Null auf Hundert“ gehenden Opening-Wochenenden verliefen fast perfekt. Die Saison schien gut zu laufen, man hatte genug Schnee und sogar das Wetter spielte meist mit. Zuversichtlich und guter Dinge sah man den in Obertauern immer bestens gebuchten Weihnachtswochen entgegen.

Die Hochalm Obertauern beim Skiopening 2019
Die Hochalm beim Skiopening 2019.   Foto: Privat

Schicksalsschlag zu Weihnachten 2019

„Vor dem Heiligen Abend hatten wir allerdings alle einen gehörigen Bammel. Stand doch das erste Weihnachtsfest ohne Wolfgang vor der Tür. In einer Familie wie der unsrigen, in der eine enge Verbundenheit herrscht, nicht nur für Christiane und die Kinder besonders schwierig, sondern für alle“, erzählt Krings. Man wappnete sich also innerlich bereits vorab für diese, für die meisten ohnehin sehr emotionalen, Tage. Damit, dass es noch schlimmer als befürchtet werden würde, hatte niemand gerechnet.

Theodor Krings, Mitbegründer der Bergbahnen Krings [mehr über sein von Fleiß geprägtes Leben erfährt man im Beitrag „60 Jahre Gebrüder Krings“] und Vater von Martina Krings und Christiane Perner-Krings, ging es gesundheitlich bereits seit geraumer Zeit nicht gut. Sein Zustand verschlechterte sich zusehends. Liebevoll zu Hause gepflegt, konnte er dadurch trotz allem so gut es ging am Familienalltag teilhaben. Doch in den Tagen vor Weihnachten verschlechterte sich sein Zustand. Er wurde zusehends schwächer.

„Irgendwie war es, als ob er nur noch darauf gewartet hätte, dass auch die Enkelkinder für die Weihnachtsferien von der Schule nach Hause kommen und alle nochmals gemeinsam versammelt sind, bevor er seinen Kampf aufgeben kann“, erzählt Krings. Nach einem letzten, gemeinsamen Heiligen Abend verstarb Theodor Krings am 25. Dezember 2019 im 86. Lebensjahr.

„Auch wenn es für ihn selbst, aufgrund seiner Erkrankung, wirklich eine Erlösung war, für uns brach erneut die Welt zusammen“, fügt Krings hinzu. Die Verabschiedung fand bereits wenige Tage später, am 28. Dezember 2019, in Untertauern statt.

„In einer laufenden Skisaison, noch dazu kurz vor Silvester, scheint man da plötzlich gleichzeitig in zwei verschiedenen Welten zu leben. Hier Trauer und Verzweiflung, auf der Hochalm gewohnter Spaß und gute Laune. Zweites passt selbstverständlich auch in so einer Zeit. Die Gäste sind schließlich auf Urlaub und wollen ihren Aufenthalt genießen. Wollen feiern und unbeschwerte Tage verbringen. Aber für einen selbst ist ein derartiger Schicksalsschlag während der Saison doppelt schwer. Manche, eigentlich normale Dinge erscheinen einem da nahezu grotesk“, erklärt Krings.

„Es ist nie der richtige Zeitpunkt den Vater zu verlieren“.
Martina Krings

„Aber prinzipiell ist es nie der richtige Zeitpunkt, um seinen Vater zu verlieren. Vielleicht ist es sogar noch schlimmer, in so einer Zeit alleine zu Hause sitzen zu müssen. Zu arbeiten war sicher im Sinne von unserem Vati, der sein ganzes Leben lang fleißig gearbeitet hat. Letztendlich hat mir die Arbeit auf alle Fälle auch geholfen, weil ich dadurch von meinem Kummer abgelenkt wurde. Daheim wäre ich sicher völlig verzweifelt“, blickt Krings zurück.

So wurde also wiederum fleißig weitergearbeitet. Man fand, wenn auch langsam, wieder zur winterlichen Routine. Getröstet durch die Zeit fiel auch der gewohnte, mit viel guter Laune einhergehende Hochalm-Alltag bald nicht mehr allzu schwer. Obertauern präsentierte sich in dieser Zeit oft von seiner besten Seite: Tolle Schneelage, super Stimmung, sensationelles Wetter. Also eigentlich perfekte Bedingungen für die Hochalm.

Jänner und Februar zogen ins Land, der März, mit all seinen Veranstaltungen auf der Hochalm, hatte soeben begonnen. Erneut schien alles gut.

Frühzeitiges Saison-Aus im März 2020

Dann der 12. März 2020. Erst nach 21 Uhr kam an diesem Donnerstag die Meldung, dass, auf Anordnung der Salzburger Landesregierung, mit darauffolgendem Sonntag, am 15. März, alle Bergbahnen und am 16. März sämtliche Beherbergungsbetriebe schließen müssen. Ein Schock für den gesamten Ort.

„Klar, im Nachhinein gesehen hätte man vielleicht mit so etwas rechnen können. Hinterher ist man immer schlauer. Aber an diesem besagten Abend sind wir wirklich aus allen Wolken gefallen. Wir konnten das zuerst gar nicht glauben“, erinnert sich Krings und ergänzt: „Dass die Gesundheit der Menschen an allererster Stelle steht, steht außer Frage, das wurde auch von allen in Obertauern von Anfang an unterstützt und akzeptiert. Trotzdem war es für uns wie in einem Alptraum. Einen so großen Bereich, und damit meine ich nicht nur die Hochalm, binnen zwei Tagen zu schließen, ist nicht nur ein emotionaler, sondern auch ein organisatorischer Kraftakt.“

Sorge um Mitarbeiter

So galt es unter anderem auch dafür zu sorgen, dass ausländische Mitarbeiter noch rechtzeitig heimkommen konnten, bevor ihre Herkunftsländer, wie vorab avisiert, ihre Grenzen schlossen. Riesige Mengen an Lebensmittel wurden binnen kürzester Zeit so gut es ging verarbeitet oder portioniert, damit diese von den Mitarbeitern noch mitgenommen werden konnten und nicht verdarben. Denn die Lager waren an einem Donnerstagabend einer laufenden Saison natürlich bei allen prall gefüllt.

„Aber das sind alles Kleinigkeiten, gemessen an dem Leid, das viele Menschen jetzt ertragen müssen. Man kann wirklich nur hoffen, dass so viele wie irgend möglich gesund bleiben, beziehungsweise rasch genesen und dieser ganze Wahnsinn bald ein Ende nimmt“, erklärt Krings und ergänzt: „Es wird auch danach wieder weitergehen und wir werden wieder glückliche Zeiten erleben dürfen. Ich versuche auch jetzt die Dinge so zu nehmen, wie sie sind, und das Beste daraus zu machen. Es bleibt einem ja ohnehin nichts anders über. Da müssen wir jetzt alle gemeinsam durch“.

Jenen Einheimischen, die nach dem vorzeitigen Saison-Aus in Obertauern geblieben sind, präsentiert sich im Frühjahr 2020 auch hier ein bizarr anmutendes Bild: Ein geisterhaft-menschenleerer Ort, umgeben von schneebedeckten Bergen mit sich noch im besten Zustand befindenden Pisten. Alles scheint in einen Dornröschenschlaf versetzt worden zu sein. Bereit, jederzeit wieder wachgeküsst zu werden und so plötzlich, wie es beendet wurde, wieder seinen Betrieb aufnehmen zu können.

Die Hochalm Ende März 2020: Gähnende Leere statt, wie gewohnt in dieser Zeit, Frühjahrsskilauf und Partystimmung. Foto: Privat
Die Hochalm Ende März 2020: Gähnende Leere statt, wie gewohnt in dieser Zeit, Frühjahrsskilauf und Partystimmung. Foto: Privat

Eine Bild, das natürlich auch Krings nicht unberührt lässt: „Ich will wirklich nicht undankbar sein. Wir sind gesund, es geht uns gut und wir dürfen uns hier in Obertauern frei bewegen. Das ist mehr, als man zurzeit verlangen darf. Mehr, als sehr, sehr viele Menschen jetzt haben. Aber wenn ich an so einem herrlichen Tag mit strahlendem Sonnenschein und super Schnee, wie es in der vergangenen Woche mehrere gab, in einer Zeit, in der normalerweise Hochbetrieb herrscht, alleine auf der menschenleeren Hochalm-Terrasse sitze, blutet mir schon das Herz.“

12 Kommentare

  1. Wie du sagst es kommen wieder bessere Zeiten und dann sehen wir uns wieder ich wünsche viel Kraft und Gesundheit bis bald viele Grüße aus Köln Stephan

  2. Ein Wahnsinn was sich bei euch in wenigen Monaten angespielt hat… aber es wird alles gut. Wir glauben ganz fest daran. Liebe Grüße

  3. Martina Kompliment, ein sehr schöner Artikel. Und ich finde es auch gut, mal zu sagen, das nicht immer alles ein Zuckerlecken ist, auch wenn es an der Front immer so aussehen muss. Das Leben schreibt halt eigene Geschichten und die sind nicht immer so einfach. Liebe Grüsse Marcus

  4. Ihr habt tolle Arbeit geleistet. Die Hochalm ist sehr schön geworden und hat ihren Wohlfühlfaktor erhalten.
    Wir konnten es 2020 noch genießen, waren bis 01.02.2020 da, täglich um 11 Uhr. Und wir kommen auch 2021 wieder. Bleibt gesund. 💕

  5. Super geschrieben, alles gute und auf ein Wiedersehen! Obertauern und die Hochalm sind seit vielen Jahren ein Highlight in meinem Leben und das muss so bleiben. Martina und Christiane sowie dem ganzen Team wünsche ich Gesundheit und auf bald!! Lg Evi aus Graz

  6. Liebe Martina,
    sehr schöner Artikel, wie das Leben eben so mit uns „spielt“!
    Nach diesem turbulenten und emotional schwierigen Winter 2019/2020 kann euch/uns aber eigentlich nicht wirklich mehr etwas erschüttern. Es wird uns nach dieser schwierigen Situation nur stärker und hoffentlich ggü. unserer Umwelt und Mitmenschen sensibler, sowie unsere Freundschaften wertvoller machen.
    Auf noch viele schöne Zeiten und Erlebnisse ab wann auch immer!
    Bleibt‘s Xsund!
    LG Gerhard

  7. Jeder, der Euch als Familie, als Menschen ein bisschen miterleben- mitbegleiten darf – weiß ‚ihr seid ‚ganz besonderePuzzlestücke‘ in unserem Leben! Freude, Vergnügen, Disziplin,freudvolles Schaffen,positiver Antrieb, nach vorne Blicken, Steh auf Mentalität beweisen – Sportler Herz zeigen, Strahlen und wissen was Das Wichtigste im Leben ist , Gesundheit , Familie & die richtigen Freunde.
    Das seid IHR, liebe Familie Krings. Einfach wunderbar ! DANKE, dass es Euch gibt!

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