Obertauern

Ein Gipfelkreuz für die Gamsleiten in Obertauern

Obertauerns „Wahrzeichen“, die Gamsleiten, erhielt im September 2021 auf Initiative einer Gruppe junger Obertaurer ein Gipfelkreuz auf der Gamsleitenspitze.

Sie gilt als das Aushängeschild von Obertauern und ist gemeinsam mit der Seekarspitze eines der prägnantesten Berge von Österreichs schneereichstem Wintersportort: die Gamsleiten. Skifahrern vor allem durch die „G2“ bekannt, wurde die Gamsleitenspitze nun mit einem Gipfelkreuz „gekrönt“.

„Es war für mich eigentlich immer schon verwunderlich, dass ausgerechnet Obertauerns Hausberg, wie die Gamsleiten bei uns genannt wird, kein Gipfelkreuz hat“, erzählt Tobias Schmidt. „Aber Gedanken darüber, dass ich ja selbst schauen könnte, dass sich das ändert, habe ich mir ewig nicht gemacht“, lacht der junge Obertaurer, der die Errichtung des Gipfelkreuzes am Gamsleiten initiierte.

Erst in den vergangenen Jahren, als er selbst wieder mehr in den Bergen unterwegs war, begann die Idee in ihm zu reifen. So ging es jedoch nicht nur ihm. Denn als er mit anderen Einheimischen über das Fehlen eines Gipfelkreuzes auf der Gasmsleiten sprach, bekam er viele „Ja, eigentlich eh eigenartig“ zu hören. „Irgendwann im Sommer 2020 habe ich dann mit Moritz Steiner darüber geredet. Und wir haben spontan beschlossen, das nun tatsächlich selbst in die Hand zu nehmen“, erzählt Schmidt, der im elterlichen Betrieb, dem Hotel Solaria, tätig ist.

Das Projekt „Gipfelkreuz für die Gamsleiten“

Als sie im Freundeskreis anfingen, ihr Vorhaben zu schildern, waren alle sofort begeistert. Gemeinsam mit Jakob Schneider jun., Florian Lürzer, Martin Wagner, Alexander Maric, Florian Modl und Christopher Bogensperger begannen Schmidt und Steiner das Projekt „Ein Gipfelkreuz für die Gamsleiten“ umzusetzen. „Aber nicht nur unsere Kumpel boten sofort ihre Unterstützung an, egal wer von den Einheimischen davon erfuhr, war begeistert und wollte helfen“, erzählt Schmidt.

Mit derart großartiger Unterstützung wurde aus einer anfangs noch vagen Idee langsam aber sicher ein konkreter Plan. „Und selbst Dinge, die vorab schwierig schienen, lösten sich durch die breite Hilfsbereitschaft, die wir von allen erfuhren, beinahe von selbst“, schwärmt Alexander Maric.

Errichteten gemeinsam das Gipfelkreuz für die Gamsleiten: Die Obertauerer Christopher Bogensperger, Alexander Maric, Florian Modl, Florian Lürzer (2. Reihe), Martin Wagner, Tobias Schmidt, Moritz Steiner und Jakob Schneider jun. (v.li.n.re). Foto: Christian Binggl
Errichteten gemeinsam das Gipfelkreuz für die Gamsleiten: Die Obertaurer Christopher Bogensperger, Alexander Maric, Florian Modl, Florian Lürzer (2. Reihe), Martin Wagner, Tobias Schmidt, Moritz Steiner und Jakob Schneider jun. (v.li.n.re). Foto: Christian Binggl

„Wir hatten ja eigentlich keine Ahnung, wie das mit einem Gipfelkreuz überhaupt konkret möglich ist“, erzählt Florian Modl, der bei den Bergbahnen Krings als Seilbahntechniker arbeitet und seit Jahren fix in Obertauern lebt. Grundlegende Fragen, wie „Darf man ein Gipfelkreuz eigentlich einfach so aufstellen“ oder „Wie konstruiert man ein wetterfestes Kreuz“, kamen auf. Und diese galt es erstmals zu beantworten, bevor gestartet werden konnte.

Große Hilfsbereitschaft in Obertauern

Aber wie es in einem kleinen Ort wie Obertauern nun mal ist: Jeder kennt jeden und somit jemanden, der jemanden kennt oder zumindest weiß, wer zuständig ist. Und so war es wahrlich nur eine Frage der Zeit, bis das Vorhaben konkrete Formen annahm. „Die Mitglieder der Bergrettung Obertauern, allen voran Matthias Schilchegger, haben uns da sehr geholfen. Wie sich herausstellte, mussten zuerst die Grundbesitzer eruiert werden, um um Erlaubnis für die Errichtung bitten zu können“, erzählt Schmidt. Diese waren nicht nur rasch ausgemacht, sondern boten auch sofort ihre Unterstützung an. „Beide Grundeigentümer, sowohl Jakob Schneider sen. als auch Markus Lankmayr, waren von der Idee eines Gipfelkreuzes am Gamsleitenspitz begeistert und sagten sogleich zu“, erinnert sich Schmidt.

Per Zufall ergab sich dann auch sogleich die nächste glückliche Fügung. „Wir haben gerade bei uns vorm Hotel unser Vorhaben besprochen, als zufällig Gerald Zehner, der mit seiner Frau Daniela das DAV Haus in Obertauern führt, vorbeikam“, schildert Schmidt. Ins Gespräch involviert, zeigte er sich von der Idee nicht nur angetan: „Gerry hat sogar spontan angeboten, uns das ganze Holz für das Gipfelkreuz zur Verfügung zu stellen“, erzählt Schmidt und ergänzt: „Es war wirklich unbeschreiblich. So viele Menschen in Obertauern, die von unserer Idee erfuhren, haben von sich aus zugesagt jederzeit zu helfen. Wir haben niemand direkt um eine unentgeltliche Leistung fragen müssen. Sie wurde uns einfach angeboten.“

Gipfelkreuz für die Gamsleiten aus heimischem Lärchenholz

Zudem kommt das für das Gipfelkreuz verwendete Holz nun auch aus heimischen Wäldern. Denn Zehner besorgte das nötige Holz aus dem eigenen Lärchenwald in Göriach im Lungau. „Das mag zwar für andere nicht ersichtlich sein, aber für uns ist es schon von großer Bedeutung, dass hier regionale Lärche verwendet wurde“, meint Schmidt.

Das aus heimischem Lärchenholz gefertigte Gipfelkreuz auf der Gamsleitenspitze. Foto: Florian Modl
Das aus heimischem Lärchenholz gefertigte Gipfelkreuz auf der Gamsleitenspitze. Foto: Florian Modl

 „Im Nachhinein muss man auch sagen, dass wir es ohne Hilfe wirklich mehr als schwer gehabt hätten. Wir haben uns das zu Beginn schon ein wenig leichter vorgestellt und hatten nicht wirklich Ahnung, was da alles auf uns zukommt“, lacht Modl. Selbst habe man etwa zwar eine Idee davon gehabt, wie das Kreuz aussehen solle. Aber bei der Konstruktion selbst, die ja Fachwissen von Statik und Co voraussetzt, sei man doch an seine Grenzen gestoßen. „Hier hat uns der Vater von Moritz, Wolfgang Steiner, extrem geholfen“, erklärt Modl.

Der erfahrene Alpinist, der auch das ACS Alpincenter Salzburger Sportwelt in Flachau führt, stellte sich in Folge sogar als treibende Kraft heraus. „Wolfgang Steiner hat uns nicht nur mit seinem grenzenlosen Know How unterstützt, sondern war auch immer tatkräftig mit dabei. Zudem hat er uns auch immer wieder richtig Gas gegeben. So sorgte er dafür, dass wir wirklich im Zeitplan blieben“, erzählt Modl.

Noch geschlossene Schneedecke im Frühjahr verzögerte Start

Denn der Zeitplan entpuppte sich als gar nicht so einfach einzuhalten. Der im Frühjahr 2021 noch in großen Mengen vorhandene Schnee verzögerte den Start. Erst Ende Juni erlaubte es die bis dahin am Gamsleiten beinahe geschlossene Schneedecke, die für das Gipfelkreuz vorgesehene Stelle nochmals zu besichtigen. Gemeinsam mit Wolfgang Steiner machten sich die Burschen daran, die Bodenbeschaffenheit zu überprüfen. „Wir mussten dies ja prüfen, um in Folge das Fundament richtig betonieren zu können“, erläutert Schmidt.

„Als wir das Holz und den Plan für das Fundament hatten, standen wir bereits vor der nächsten Herausforderung. Nämlich die Herstellung der auf das Kreuz zu montierenden Platten, der benötigten Metallteile und der des sogenannten Schuhs. So wird jenes Element genannt, das in das Fundament einbetoniert wird, um das Kreuz stabil errichten zu können“, erzählt Schmidt. Doch auch dies entpuppte sich als rasch lösbar. Hier war Jakob Schneider jun. federführend: Er organisierte den benötigten Schlosser und sorgte für die Umsetzung.

In der Zeit bis zur Fertigstellung der benötigten Metallteile blieben die Jungs nicht untätig. Galt es doch das roh zugeschnittene Lärchenholz noch weiter zu be- und verarbeiten, beziehungsweise zu verfeinern. „Dabei hat uns auch Peter Kernstock von Sport Gefäll geholfen. Er hat durch seine Firma Zirbennebler die benötigten Werkzeuge und Maschinen, die er zur Verfügung stellte“, ist Maric dankbar.

Aber auch die Box für das Gipfelbuch und die Platten mit den Gravuren wurden währenddessen fertiggestellt. Hier half Markus Klingenschmid, der Vater von Florian Modl, langjähriger Obertauern-Gast und Inhaber der Spenglerei Klingenschmid. Er übernahm selbst die Herstellung der Kupfer-Box und sponserte zudem die Gravuren.

Die aus Kupfer gefertigte Box für das Gipfelbuch am Gamsleiten-Gipfelkreuz. Foto: Florian Modl
Die aus Kupfer gefertigte Box für das Gipfelbuch am Gamsleiten-Gipfelkreuz. Foto: Florian Modl

Selbst für ein einheitliches Auftreten der Burschen wurde gesorgt. „Peter Holzner vom Skiworld hat uns da so super überrascht“, erzählt Modl und ergänzt: „Nicht nur, dass er bereits davor bereitwillig die Übernahme eines Teils der Kosten zugesagt hat. Zusätzlich hat er von sich aus Jacken anfertigen lassen. Diese sind nicht nur mit dem Gipfelkreuz-Logo am Rücken, sondern auch noch mit unseren Namen bestickt!“.

375 Kilo Beton und Wasser für das Fundament

Als die Teile für das Fundament fertiggestellt waren, machten sich Steiner, sein Vater, Modl und Bogensperger an die Betonier-Arbeiten. Ein vor allem hinsichtlich des Transports aufwändiges Unterfangen. „Aber Klaus Steinlechner, der Geschäftsführer der Liftgemeinschaft Obertauern, hat uns super unterstützt“, ist Modl dankbar. Bis zur Talstation der Gamsleiten-2-Bahn durften sie das benötigte Material mit dem Auto anliefern. Für den restlichen, extrem steilen Teil, ließ Steinlechner extra die Bergbahn in Betrieb nehmen. Die restlichen 50 Höhenmeter von der Bergstation bis zum Gipfel der Gamsleitenspitze hieß es zu Fuß bewältigen. „Insgesamt haben wir für das Fundament 375 Kilo Beton plus Wasser hinaufgetragen“, erzählt Modl.

Getragen wurde ebenso – wie es die Tradition gebietet – das Kreuz zum Gipfel. Auch dafür fuhren die jungen Obertaurer, allerdings in vollständiger Mannschaftsstärke, mit dem Auto bis zur Talstation der Gamsleiten 2. Von dort ging es „per pedes“ hinauf. Abwechselnd schulterten sie paarweise den 2,5 Meter langen und 25 Kilo schweren Hauptteil sowie die beiden, je 60 Zentimeter langen und 8 Kilo schweren Seitenteile.

Wie es die Tradition gebietet, wurde das Kreuz zum Gipfel selbst getragen. Abwechselnd schulterte man die schwere Last von der Talstation der „Gamsleiten 2“ bis zum auf 2.359 Meter gelegenen Spitz.  Foto: Christian Schmidt
Wie es die Tradition gebietet, wurde das Kreuz zum Gipfel selbst getragen. Abwechselnd schulterte man die schwere Last von der Talstation der „Gamsleiten 2“ bis zum auf 2.359 Meter gelegenen Spitz. Foto: Tobias Schmidt

„Eigentlich wollten wir das Kreuz erst am 10. September, also zwei Tage vor der Bergmesse, aufstellen. Aber wir hatten Angst, dass das Wetter umschlagen würde und wir dann keine Gelegenheit mehr hätten, alles ordentlich vorzubereiten. Also sind wir auf Nummer sicher gegangen und haben bereits am Freitag, 3. September 2021, alles erledigt“, erzählt Schmidt.

Zahlreiche Besucher bei der Bergmesse am Gamsleiten

Die Bergmesse mit Pfarrer Rupert Santner konnte planmäßig am 12. September 2021 im Beisein zahlreicher Einheimischer stattfinden.

Das Gipfelkreuz für die Gamsleiten wurde am 12. September 2021von Pfarrer Rupert Santner im Rahmen einer Bergmesse geweiht. Foto: Peter Holzner | Skiworld Obertauern
Das Gipfelkreuz wurde am 12. September 2021 von Pfarrer Rupert Santner im Rahmen einer Bergmesse geweiht. Foto: Peter Holzner | Skiworld Obertauern

Neugierig geworden, wie das Gipfelkreuz der Gamsleiten in Natura aussieht? Dann am besten in der warmen Jahreszeit zum Lokalaugenschein aufbrechen! Die Gehzeit von der Talstation der „Gamsleiten 1“-Bahn bis zum auf 2.359 Meter gelegenen Gipfel beträgt, je nach Kondition, eineinhalb bis zwei Stunden.

[Was man im Sommer in Obertauern unbedingt erleben soll, erfährt man übrigens im „Die gute Laune Beitrag“ „Den Sommer in Obertauern genießen“.]

Im Winter hat man wohl von der Bergstation der „Gamsleiten 2“-Bahn aus den schönsten Blick auf das neue Kreuz und somit wohl auch noch einen Grund mehr, die G2 zu befahren!

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